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Terrorismus.
samsten diejenigen, welche mit der Gunst für die Freunde die werkthätig gemachte Abnei-gung gegen die Gegner verbanden und in ihren höheren Graden als Gewaltmaßregeln, denGemächern Furcht und Schrecken (terror, daher Terrorismus) einzujagen, sich darstell-ten. Es war dabei erklärlich, daßhauptsächlich von neugegründeten Staatsgewal-ten, gleich viel ob republikanischer, oder aristokratischer, oder monarchischer Natur, dasSystem des Terrorismus in Anwendung gebracht wurde. Macchiavell bemerkte dar-über im 17. Capitel seines „Fürsten": „Unter allen Fürsten sei es dem neuen Fürstenunmöglich, dem Rufe des Grausamen auszuweichen, da neue Staaten voll von Gefah-ren seien", und nahm Bezug auf eine Entschuldigung, welche Virgil in seiner Aeneideder Dido wegen der Unmenschlichkeit ihrer Regierung mit den Worten in den Mund ge-legt hatte:
„Hartes Geschick und des Reiches Entstehn heischt solches Beginnen,
Und mit Wache zu schirmen das Land weitum-"
Indessen haben doch auch nicht selten schon länger bestehende Staatsgewalten,in Folge ihres Conflicts mit einzelnen Parteien oder mit dem fortschreitenden Zeitgeiste, zujenem Systeme mehr oder minder sich hingeneigt. Daß dabei die Gewaltmaßregeln m a -teriell milderer Natur waren und daß sie formell sich mehr an die bestehenden Ge-setze anschlossen oder ihnen doch nicht immer erklärt zuwider waren, änderte nichts Wesent-liches an der Sache. Denn es giebt'keine Verfassung, wo nicht Uebergriffe von Seitender Regierung, in Folge der ihr zustehenden vollziehenden Gewalt und des besonders vonden neueren praktischen Staatsmännern ausgebeuteten Verordnungsrechts so wie des inihren Händen ruhenden Verwaltungsrechts überhaupt, möglicher Weise Statt finden.Erfahren dann diese Uebergriffe keine Störung, oder gewinnen sie durch besiegte Störun-gen noch an Stärke, so bilden sie sich leicht in ein System aus, welches neben den Moti-ven des positiven Eigennutzes (Gewinn) auch die Motive des negativen Eigen-nutzes (Furcht und Schrecken) spielen läßt. Dabei gehen regelmäßig die vorhandenenGesetze mit solchen Bestrebungen weit mehr Hand in Hand, als Diejenigen, welche allesHeil im geschriebenen Buchstaben der Gesetze, und nicht in ihrem und der RichterGeiste finden, zugestehsn. Denn sie sind mehr oder minder das Erzeugniß einer Re-gierungsgewalt, welche als solche, auch in friedlichen Zeiten, die Begierde, wenn nichtsich auszudehnen, doch sich zu schützen hat. Treten nun erregtere Zeiten ein, so macht diedann am Ruder befindliche Regierungsgewalt gern geltend, was von der in ihren Mitglie-dern längst nicht mehr vorhandenen als annehmbare Erbschaft ihr zugefallen. Ja, es istin der neueren Geschichte der Fall vorgekommen, daß Gesetze, unter einer Regierungsge-walt erlassen, welche die ältere, späterhin auch wieder ans Staatsruder getretene, alsusurpatorisch betrachtete, Gesetze, welche in ihrer Tendenz gegen jene ältere Regierungs-gewalt gerichtet waren, von dieser noch nach Jahrhunderten wieder aufgesucht wurden, ihrjetzt mißfälligen politischen Bestrebungen der Staatsangehörigen entgegenzuwirken.
Es ist einleuchtend, daß der Terrorismus der Revolutionen blutiger und schreck-licher ist als der Terrorismus der Reaktionen. Eben so kann nicht bezweifelt werden,daß mehr in Momente zusammengedrängter Muth und mehr Geneigtheit, auch dasSchrecklichste zu ertragen und insbesondere sein Leben — vielleicht unter Martern — zuopfern, zum Bekämpfen des Terrorismus der Revolutionen sich erforderlich dar-stelle als zum Bekämpfen des Terrorismus der Reactionen. Dessenungeachtet hatder Terrorismus der Reaktionen ebenfalls sein eigenthümlich Schreckliches. Er dauertvoraussichtlich länger; er untergräbt mehr die Gegenkräfte, als daß erste in dieGrube stürzt; er versteckt sich mit mehr Erfolg hinter das Gesetz; er zieht überhauptmehr ins Gewöhnliche und Gemeine, ein Zustand, der große Charaktere und ausgezeich-nete Handlungen seltener aufkommen läßt. Vergl. die Artikel: „Reaktion" und„Revolution."
Aehnlich der praktischen Politik eines großen Theils der italienischen Fürsten in Mac -chiavell's Zeit, aber nicht zu Gunsten der fürstlichen Interessen, sondern gegendieselben in Anwendung gebracht, ist das System des Terrorismus, welcher im Laufeder französischen Revolution mit Einsetzung eines außerordentlichen Criminal-