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12 (1848) [Schl - Zwe]
Entstehung
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Telegraph.

Balken nebst den Armen, werden vom Innern des Bcobachtungslocals aus durch Drähteoder Schnuren gestellt, welche mit einem einfachen Mechanismus verbunden sind undim Innern des Beobachtungshauses an einem kleinen Telegraphen genau dieselben Verän-derungen Hervorbringen, welche der große erfährt. Zwei mit einander in einer Linie corre»spondirende Telegraphen find etwa 3 oder 4 Stunden weit von einander entfernt, so daßjeder von dem anderen aus auf das Deutlichste gesehen werden kann. In dem Beobach-tungslocale eines jeden sind zwei verschiedene Fernröhre nach dem vorhergehenden und fol-genden Telegraphen gerichtet, und jedes auf einem derselben bemerkte Zeichen wird von demTelegraphen aus, auf welchem es wahrgenommen wird, längstens in Zeit von 4 Sekun-den nachgemacht und so lange aufrecht erhalten, bis es der folgende Telegraph wiederumnachmacht, was innerhalb 20 Sekunden geschieht, wenn er es überhaupt wahrnimmt.

Die Zeichen sind ihrer Deutung nach nur an den beiden Endpunkten jeder Telegra-phenlinie bekannt. Sie wird bei der großen Anzahl disponibler Zeichen häufig verändertund ist auch wohl für verschiedene Orte und zu verschiedenem Zwecke eine verschiedene, umunberufenen Beobachtern von Zwischenstationen die Möglichkeit zu entziehen, sich in Kennt-niß der vorbeipassirenden Depeschen zu setzen. Uebrigens wurdenach der Erbauung der erstenTelegraphenlinie von Paris nach Lille Befehl zu Errichtung mehrerer anderen Linien gegeben.

Freilich war die ganze Erfindung noch unvollständig; sie war des Nachts gar nicht,und am Tage bei trübem oder regnerischem Wetter nicht brauchbar. Ueberdies wurdeClaude Chappe'n die Ehre der ganzen Erfindung streitig gemacht und den Trojanern undGriechen beigelegt, so daß Dieser in eine tiefe Melancholie versank und am 26. Januar1805, indem er sich in einen Brunnen stürzte, sein Leben endigte.

Bald nach der Errichtung der französischen Telegraphen linie beganp man in EnglandTelegraphenlinien und Telegraphen mit veränderten Mitteln zu erbauen. Man stellteüber dem Beobachtungshauss ein Gerüst mit sechs beweglichen Klappen auf, die entwedergeschloffen oder geöffnet werden können und so, nach der Ordnung und Anzahl der in Be-wegung gesetzten Klappen, 64 verschiedene Zeichen hecvorbringsn.

In neuerer Zeit wurde noch in Preußen eine telegraphische Verbindung zwischen denRheinprovinzen und Berlin bewerkstelligt, bei welcher durch die Anbringung des Mecha-nismus eine sehr bedeutende Vervielfältigung der Zeichen ermöglicht wurde. Dies geschah,weil an der senkrecht über dem Beobachtungshause sich befindenden beweglichen Säule dreiPaar bewegliche Arme angebracht sind.

Bei allen diesen eben besprochenen Einrichtungen herrschten jedoch immer große Män-gel vor, weil sie nur an heiteren Tagen auszuführen waren. Man sing indessen schon inden ersten Jahren des gegenwärtigen Jahrhunderts, namentlich im Jahr 1808, an, zuMünchen auf Sömmering zu hören, welcher einen elektrischen Telegraphen angab. In-dessen konnte man sich von der Ausführbarkeit desselben damals noch nicht überzeugen, weilman den Zusammenhang zwischen Elektricität und Magnetismus noch nicht kannte. Erstals man durch Oerstedt und Faradai davon überzeugt war. wurde die Möglichkeit aner-kannt. Der elektromagnetische Telegraph, der erste wirkliche Telegraph, ist durch diegeistreichen Combinationen des Hofraths Gauß und Professors W. Weber zu Götting-nund des Professors Steinheil zu München in einer Vollkommenheit, in welcher er jetztschon besteht, ohne noch im Großen ausgeführt zu sein, entstanden und ist um so ge-wisser als eine deutsche Erfindung anzunehmen, als gleichzeitig in Frankreich, Nordame-rika und England derartige Einrichtungen angegeben worden sind, welche den bei uns be-antragten weit nachstehen. Im Allgemeinen können wir auf das polytechnische Central-blatt von 1838 (Blatt 480) und auf vr. Steinheil, über Telegraphie (München, 1838),verweisen und daraus die Versicherung geben: daß dasTelegraphiren auf diese Weise ganzunabhängig von der Witterung und Tageszeit ist; daß bei demselben für alle irdische Ent-fernungen nicht der mindeste Zeitverlust stattfindet, da die elektrischen Strömungen sichnoch schneller verbreiten als das Licht; daß die Aufeinanderfolge der Zeichen etwa so ge-schwind ist wie das Entstehen eines Wortes unter der Hand eines typographischen Setzers;daß eine Zwischenstation durchaus nicht vorausgesetzt zu werden braucht, obgleich an eineroder mehreren Zwischenstationen ein Zeichen zugleich mit der Telegraphirung für die End-