Druckschrift 
12 (1848) [Schl - Zwe]
Entstehung
Seite
546
Einzelbild herunterladen
 

546 Technologie.

kann jeder Officier in den FM kommen, zusammengesetzte Abheilungen befehligen zumüssen, was ohnehin die Aufgabe jedes Generals (s.General") ist, der stets einschlechter General sein wird, wenn er sich nicht auf die Wirksamkeit aller Waffengattungenversteht. Man sollte also darauf bedacht sein, gerade die intelligenteren Ofsiciere jederbesonderen Waffe für längere Zeit auch in jeder anderen Waffe dienen zu lassen, damit sievon Unten auf das ganze Getriebe des Militärwesens in seinen einzelnen Elementen auseigener Anschauung und eigener Thätigkeit kennen lernen und in dieser prakti-schen Schule für die höhere kombinatorische Kriegskunst sich vorbereiten.

Wie in allen anderen Dingen, so ist auch in der Kriegskunst derGeist seiner ent-scheidenden Macht immer mehr bewußt geworden. Der militärische Geist inThätig -keit ist die kriegerische Begeisterung; und liegt gleich jedem Heere ein zusammengesetzterMechanismus zu Grunde, so ist es doch die erbärmlichste Ansicht vom Kriege, wennman die Heere nur als zusammengesetzte Automaten behandeln uno mishandeln will, diesich etwa von den Thronen aus mit etlichen bunten Ordensbändern gängeln lassen. DerKUeg soll vielmehr ein dramatisches Kunstwerk sein, wofür der Plan des Ganzen entwor-fen ist, das aber in seinen einzelnen Partieen frischweg improvisirt wird; worin jederTheilnehmende, soll er seine besondere Rolle nicht verderben, für das Princip deS Kriegsbegeistert sein muß. Aber für siegreiche Kämpfe giebt es nur noch ein mögliches Prin-cip: das der Freiheit und Vvlksebre, die in der Freiheit ihren Boden hat. Nur um desmateriellen Wohls willen, nur um der Batzen und Thaler willen, die etwa der deutscheFabrikant erwirbt und wovon dem deutschen Soldaten Wenig genug zufließt, wird sichdieser schwerlich noch zu besonderen Gcoßthaten anregen lassen. Ohnehin ist im flüchtigenEnthusiasmus des Jahres 1840 und des seligen Rheinweinlieds viel Stroh in den Köpfenverbrannt, das sich nicht zum zweiten Male anzünden läßt. Für einen neuen und nach-haltigen Enthusiasmus bedarf vielmehr die deutsche Nation neuer Güter, deren Verthei-digung ihr der Mühe Werth ist. Wollt Ihr also die Möglichkeit einer Begeisterung, diezum Siege führen kann, so entledigt erst den Geist selbst seiner Fesseln; so schafft ersteure Censur ab, so gebt uns erst ein wahres, ein öffentliches Recht und den realenMittelpunkt eines deutschen Volkslebens. Dann, aber nur dann, wird Deutschlandeinem Kampfe gegen Frankreich, gegen Rußland, oder gegen beide Machte gewachsen sein.Will man aber die Deutschen politisch als Kinder behandeln, so wird es im nächstenKriege geschehen, daß sie auch militärisch als Kinder behandelt und geschlagen werden.Alle Schutzanstalten und Abrichtungsmittel der Kriegskunst werden darum nicht alleinzum Siege führen, wenn nicht zugleich die ächte Staatskunst, die noch einzig möglichePolitik der Freiheit, das Ihrige thut. Wilhelm Schulz.

Taubstumme, s. Wohlthätigkeitsanstalten.

Technologie. Dieser erst in neuerer Zeit wieder in Aufnahme gekommeneAusdruck verdankt seine erste Entstehung der alten griechischen Sprache. Damals aller-dings hatte er noch nicht die weitere Bedeutung, welche ihm die Gegenwart beilegt. Viel-mehr bedeutete eine Redeabhandlung von der oder einer Kunst, als Redekunst,

Grammatik u. s. w., oder kunstmäßige Abhandlung oder Behandlung einer Wissenschaft.Dagegen war der die unter Anderem auch Handwerk, Geschicklichkeit bezeichnet«,

keine besondere Erwähnung geschehen, wahrscheinlich weil Handwerke damals zumeist nurvon Sklaven betrieben wurden. Darum auch ging das Wort später ganz verloren, undNiemand dachte mehr daran. Dies blieb so selbst in neuerer Zeit, als die Handwerkezunftmäßig betrieben wurden. Erst als man der Zünfte in neuester Zeit ansing überdrüssigzu werden, suchte man das WortTechnologie" wieder hervor; aber diesmal würdigteman es einer weiteren Bedeutung.

Man erblickte darin überhaupt im Allgemeinen die Gewerbskunde als einen Zweigder Eameralwissenschaft, so weit sie die Lehre der künstlichen Verarbeitung der Naturer-zeugnisse für die Bedürfnisse der Gesellschaft enthält. Man machte einen Unterschiedzwischen einer höheren und niederen Technologie, von denen jene die Krnntniß des Kunst-gewerbes in seinem Zusammenhang« mit dem Staatsleben darstellt und wieder inStaatstechnologie, technische Rechtskunde und Gewerbspolizei zerfällt, diese aber die