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12 (1848) [Schl - Zwe]
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Sueven und Markomannen.

Natur ganz fremdartigen, ja widerstreitenden Bestandtheil- Denn wenngleich auch beialt-suevischen Völkern, z. B. bei den Katten, den Hermunduren, den Semnonen und(später wenigstens) bei den Langobarden, Obrigkeiten erschienen, die der Römer regesnannte, so ist doch klar und bekannt, daß diese reges nicht Könige im heutigen Sinne desWortes waren, sondern Recken, Richter, und ihre Befugnisse überall höchst eingeschränkt,nirgends mit der Gewalt zu vergleichen, die Marbod im eroberten Lande ausübte, wo erfein Gefolge nach Hofrecht und die überwundenen Ureinwohner gar nach Willkür be-herrschte. Sein Heer mußte durch Krieg in Uebung erhalten, durch Beute besoldet werden,die deutschen Elblande lagen offen vor ihm, und es mochte einem hochstrebenden undstaatsklugen Fürsten, wie er war, leicht sein, die suevischen Staaten, worin, wie überall imalten Deutschland, die Einzelnen stark, die Gesammtheit schwach war, mit sich foctzuceißenund in seine Kriege gegen die Gothen und andere östliche Nachbarn zu verwickeln; seineSiege erhöhten seinen Einfluß auf den Bund, welcher, auf das Bedürfniß und die treuher-zige Einfalt seiner Genossen gegründet, in seinen Grundfesten wanken mußte, sobaldStaatsklugheit und Herrschsucht sich in feine Angelegenheiten mischten.

Marbod's Gefolge behielt den Namen Markomannen, den einzigen, der allen ge-mein war, bei, sein Staat blühte rasch empor und hob sich bald zu solcher Macht (gewißzumeist durch seinen Einfluß auf den Suevenbund), daß Augustus ihn zu fürchten begannund seinen Untergang beschloß. Sofort wurde das größte Heer, welches jemals Romgegen Deutschland ins Feld gestellt hatte, gegen ihn ausgesandt. Ein Aufstand in Pan-nonien vereitelte bekanntlich diese Rüstung; während dessen schlug Armin den Varus undsandte dessen Haupt an Marbod, ein bedeutungsvolles Geschenk; noch bedeutungsvollerwar, daß Marbod es dem Kaiser sandte und dadurch sich offen als Feind der vaterländi-schen Erhebung darstellte. Wirklich blieb er, während Armin's heldenmüthigen Kämpfengegen Germanicus, ruhig, und es dürfte wohl sein Einfluß gewesen sein, was die Suevenüberhaupt abhielt, den Cheruskern und ihren Bundesgenossen beizustehen. Unter diesenerscheinen selbst die Kalten, die früheren Feinde Roms, deren Trennung von dem Bundeder Sueven hiernach vollkommen und unwiderruflich gewesen sein muß. Aber die Auf-lösung des Bundes nahte ohnehin mit schnellen Schritten, die Semnonen und Longo-barden wandten sich an Armin den Nicht-Sueven um Beistand gegen die Anmaßungendes Bundesgenossen Marbod; es kam zum Krieg, und damit war das Band, welches diesuevische Eidgenossenschaft umschlang, vollends zerrissen. Der Sieg blieb unentschieden,Rom, das keinen von beiden Helden allzu groß sehen wollte, vermittelte den Frieden, der,von Beider schlauem Todfeind gestiftet, Beiden verderblich ward; Armin fiel baldnachher durch Verrath, Marbod erlag dem Rachefchwert der Gothen. Diese wurdenwieder von den Hermunduren aus Böheim verjagt, dessen Bewohner hiernach beim sue-vischen Bunde blieben. Auch die mit Marbod und seinem Ueberwinder aus dem Landegetriebenen Markomannen, von Augustus in Ungarn angesiedelk, behielten den NamenSueven bei, obgleich sie Vasallen Roms waren. Wenn sie nicht blos den Namen beibe-hielten, sondern wirklich im Bunde blieben, so kann dieser schon darum nur noch demNamen nach bestanden haben. Ohnehin war das Vertrauen dahin, der Bund hatte nichtzu schützen vermocht vor Unterdrückung und Ueberfall, jedes Bundesvolk hatte sich aufseine eigene Kraft oder auswärtige Hilfe verwiesen gesehen, hatte darin Rettung gesundenaus Gefahren, welche aus dem Bunde selbst hervorgegangen waren; was Wunder, daßman von nun an sich mehr auf eigene Kraft verließ, den eignen Vortheil dem Wohls desBundes vvrzog, gegen Genossen desselben auf der Hut war und sich selbst gegen siedurch auswärtige Verbindungen zu starken suchte, während die Mark im Süd undWest von den Römern bevölkert und beherrscht wurde. So kam es, daß von dem suevi-schen Bunde, dessen Kraft und Einigkeit Deutschland vor Cäsar's Angriff bewahrt hatte,Tacitus Nichts mehr vorfand als den Namen und die Haartracht. So gingen inspäteren Jahrhunderten die deutschen Ritter-und Städtebündnisse ein, so die Hansa, soendlich das deutsche Reich selbst zu Grunde, und in diesem Sinne hatte Möser Recht, esmit dem suevischen Bunde zu vergleichen.

Was den Namen betrifft, so ist in der Eingangs erwähnten Abhandlung nachgewie-