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12 (1848) [Schl - Zwe]
Entstehung
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Sueven und Markomannen.

Erkennbarer als der Ursprung und das Wachsthum des suevischen Bundes und zu-gleich mannigfach lehrreich ist sein Verfall. Zwei geschichtlich unzweifelhafte Ereignissescheinen ihn herbeigeführl oder doch begleitet zu haben. Das erste ist der Abfall der Kal-ten, welche zu Cäsar's Zeit als Suevendie Vorfechter zwischen Rhein und Weser" warenund 15 Jahre nachher, nach dem Abzüge der Ubier aufs linke Rheinufer, einen Theil desLandes derselben von den Römern erhielten und nicht als Gränzmark wüst legten, son-dern bevölkerten. Sichtbar war dies ein Werk und ein Meisterstück der römischen Staats-kunst. Ohne Schwertstreich wurde durch den Abfall eines der kräftigsten Bundesvölkerder suevische Bund geschwächt und zugleich vom Rhein und der römisch-gallischen Provinzentfernt und, wie der spätere Vernichtungskrieg zwischen Kalten und Hermunduren schlie-ßen laßt, der Zankapfel zwischen Katten und Sueven geworfen.

Das andere Ereigniß, welches zum Verfall des suevischen Bundes nothwendig beige-tragen haben muß, ist die Eroberung Böhmens durch die Markomannen.

Die Geschichte zeigt uns die Sueven allenthalben im Kampf um die Erhaltung ihrerwüsten Gränzmark. Bei der theilweisen Unfruchtbarkeit und der allgemein mangelhaftenBestellung des Bodens machte die zunehmende Bevölkerung Auswanderungen nothwen-dig, und es war natürlich, daß sich die Auswanderer zunächst da anstedelten, wo sie keineBewohner fanden, also in jenen wüsten Marken, womit jedeOivitss" sich zu umgebenfür rühmlich und nothwendig hielt. Die Unmöglichkeit, dies System bei immer steigen-der Bevölkerung durchzuführen, mag (da kein religiöses oder anderes Band erkennbar ist)zur Entstehung und Ausbreitung des Suevenbundes am Meisten beigetragen haben, dennsobald zwei benachbarte Völker durch einen festen Friedensbund es unnöthig machten, sichdurch eine Wüstenei zu trennen, konnte diese von ihrer beiderseitigen Uebervölkerung inBesitz genommen und mit neuen Ansiedelungen bedeckt werden. So mochte, bei Ausdeh-nung des Bundes, für die Zeit mehrerer Menschenaltec Raum gewonnen werden. Aberals auch di« Binnenmarken bewohnt waren, da blieb den Auswanderern Nichts übrig, alsdas Bundesgebiet zu verlassen; und es liegt in der Natur der Sache, daß sie ihm so naheals möglich, mithin in der Bundesmark oder am Rande derselben, sich ansiedelten. Ebenso zog sich die Uebervölkerung aus nicht suevischen Landen dahin, wie uns Cäsar von denTenchtern und Usipetern und Tacitus von den Bewohnern der Zehntlande (zwischen Rheinund Donau) ausdrücklich versichert.

Diese Bewohner der suevischen Gränzmark, von allerlei Völkern, deutschen sowohl alsgallischen und sarmatischen, ausgewandert, ohne Zusammenhang unter sich und meist inkleinen Haufen, theils umherziehend (auf der Flucht vor der suevischen Gränzwacht),theils in abgelegene Thäler versteckt oder in natürlichen Vesten verschanzt, wurden nach derMark oder Wand, welche sie bewohnten, Markomannen, Marsen, Vandalen, Veneden,Vindiler genannt und kommen rings um die Gränzen der Sueven vor.

Es ist in hohem Trade wahrscheinlich, daß des Sueven Ariovist Heer, aus so vielerleiverschiedenartigen Völkern zusammengesetzt, in dieser Gränzmark geworben war. Alsnach einem Menschenalter die Gränzmarken, besonders die breiteste in Südwesten, sichwieder zu bevölkern anfing, und die Gefahr eines ähnlichen Krieges für Gallien entstand,suchte und fand Augustus ein Mittel, den Sturm abzulenken. Marbod, ein Jüng-ling, dort geboren, in Rom zum Feldherrn und Staatsmann gebildet, wurde von Augustermuntert und mit dem Nöthigen versehen, die Bewohner dieser Mark zu einem Zuge nachdem Lande der Bojer, noch heute Böheim, Böhmen genannt, zu vereinigen. Er erobertees und schloß sich dem suevischen Bunde an; ob als wirkliches Glied der Eidgenossenschaft,oder blos als Bundesgenosse, oder gar als Beschützer, ist unbekannt; so viel aber erhelltaus dem'Wenigen, was die Geschichte uns von ihm berichtet, daß er einen mächtigen Ein-fluß auf dessen Angelegenheiten ausübte, zum großen Nachtheil derselben. Denn erstlichmochten sie früherhin wenig Mühe haben, diesen Theil ihrer östlichen Gränze gegendie schwachen Bojer zu vertheidigen, jetzt mußten sie einen neuen ausgedehnten und nochkeineswegs hinlänglich befestigten Staat gegen dessen östliche Nachbarn schützen helfen undwurden dadurch in unzählige, ihnen ganz fremde Händel verwickelt. Ueberdies unddies war das Schlimmste erhielt ihr Bund durch den Anschluß Marbod's «inen seiner