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Sueven und Markomannen.
Südseeländer, s. Australien.
Sueven und Markomannen. — Während Männert leugnet, daß es jemalsein Volk mit dem Namen Sueven gegeben habe, findet ein anderer, wohl eben so gründ-licher Kenner des deutschen Alterthums, Möser, bei ihnen den Anfang und die Grundzügedes nachherigen deutschen Reiches- Dieser ungeheure Widerspruch zweier so ausgezeich-neter Geschichtsforscher und die hohe Wichtigkeit, welche der Gegenstand desselben für dieKenntniß der ältesten Geschichte unseres Vaterlandes hat, forderte zu sorgfältigem Stu-dium der Quellen auf. Das Ergebnis ist eine Abhandlung „die Sueven", theilweiseabgedruckt in dem 2. Hefte des 2. Bandes der Annalen des Vereins für nassauischeAlterthumskunde und Geschichtsforschung, woraus, als hierher gehörig, Folgendes:
Hierher gehört nur die Frage, in wie weit Möser's Hypothese gegründet ist? Welchestaatsrechtlichen Erscheinungen sich an den suevischen Namen knüpfen? Diese Untersu-chung wird zugleich Licht verbreiten über die Markomannen, weshalb denn auch hinsicht-lich ihrer auf den Artikel „Sueve n" verwiesen worden war.
Es bestand, vielleicht schon zur Zeit des Kimbern- und Teutonenzuges, im mittlerenDeutschland ein Völkerbund, dessen Genossen sich Sueven nannten. Bei den Semnonenam rechten Elbufer entstanden, scheint er sich nach und nach ausgebreitet zu haben und um-faßte zu Cäsar's Zeit eine Menge von Völkerschaften, welche weder durch gemeinschaftlicheAbstammung noch durch Religionsgleichheit verbunden waren, sondern einzig undalleindurch da« allen gleiche Bedürfniß gegenseitiger Friedensverbürgung unter sich und gegenalle Nicht-Sueven, das Letztere vorzüglich durch Erhaltung einer wüsten Mark rings umdie Bundesgranze. Daraus erklärt sich, wie es gekommen, daß zu Eäsar's Zeit (undwahrscheinlich schon lange vorher) das Land rechts vom Rhein zwischen dem Rhein undder Donauquelle unbewohnt gewesen, eben so „die bojische Wüste" zwischen der Donauund den Alpen; daraus erklären sich ferner die Kämpfe der Sueven gegen die Ubier, umLetztere aus ihrem Lande zu verdrängen, die wirkliche Vertreibung der Tenchternund Usipeter aus dem ihrigen, der stete (nur durch die von Armin erregte Be-geisterungkurz unterbrochene) Streit zwischen den Kalten und Cheruskern, Beide ge-trennt durch die «ilr» öscernii». Nach den in jener Abhandlung niedergelegten Forschun-gen umfaßte zu Cäsar's Zeit der suevische Bund alle Völker von der Donau bis zur Mün-dung der Oder (wo keine natürlich feste Gränze, sondern nur „gegenseitige Furcht" Deutscheund Sarmaten auseinander hielt) und die südöstlich von den Käuzen, Cheruskern undSigambern wohnten, also Kalten, Hermunduren, Narisker, Semnonen, Longobar-den u. s. w.
Der Zweck des Bundes war dem der Gau- und Volksvereinigungen völlig gleich underforderte auch keine anderen Einrichtungen als diese selbst: Bundestage, wovon bei Ca-sar's erstem Rheinübergang e n Beispiel vorkommt, das zugleich die Macht der Bundesge-walt bekundet; es wurde nehmlich dort der Beschluß gefaßt, daß die Bewohner des demFeinde zunächst gelegenen Landes ihre Wohnungen verlassen und sich mit aller beweglichenHabe ins Innere des Landes zurückziehen sollten, eine Maßregel, die, so drückend sie war,sowohl für die zum Aufbruch Genöthigten als die mit ihrem Besuche Ueberraschten, den-noch befolgt wurde.
Die wüste Gränzmark von eingedrungenen Ansiedlern frei oder wenigstens diese imGehorsam zu halten, die beständigen Kämpfe im Nordosten gegen die Sarmaten, im Nord-westrn gegen die Cherusker, im Westen gegen die Ubier (nur diese sind geschichtlich gewiß,aber darum nicht die einzigen!), erforderten eine stets schlagfertige Kriegsmacht, und wasCäsar, der alle Ursache hatte, sich aufs Genaueste nach dem Kriegswesen der Sueven zu er-kundigen, über die Art und Weise berichtet, wie die Streitkräste zusammengebracht wur-den, führt auf die Vermulhung, daß auch hier die Eintheilung in Zehnte und Hunderte zuGrunde gelegen habe, in der Weise, daß der ganze Bund in 100 Gaue (wovon auf jedes dergrößeren Völker mehrere kommen mochten) getheilt gewesen, deren jeder alljährlich tausendMann ins Feld gestellt hat, ohne daß dadurch einzelnen Bundesvölkern, oder nach deut-scher Sitte einzelnen Freien verwehrt oder unmöglich gewesen wäre, gegen Nicht-SuevenKriege auf eigene Faust zu führen.