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12 (1848) [Schl - Zwe]
Entstehung
Seite
522
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522 Straßen, Landstraßen, Straßenbau.

kürzerer Zeit ankommen, allgemein und bedeutend zunehmen werde. Die Hoffnung, diewir so oft aussprechen hören, der Verkehr mit Gütern werde bedeutend und allgemein »steigen, können wir daher als begründet nicht gelten lassen. Der Verkehr im Allgemeinennimmt nur dann in auffallenderen Verhältnissen zu, wenn gewisse Güter, oder die Güterüberhaupt, bedeutend wohlfeiler werden, oder der Nationalreichihum und der Arbeitslohnbedeutend steigen. Das Letztere ist nicht der Fall, weil die Eisenbahnen, wenn sie ein-mal erbaut sind, ungleich weniger Leute beschäftigen, als zu dem Transporte der nehm-lichen Anzahl von Personen und Gütern auf Chausseen erforderlich sein würden. Das ^Erste ist eben so wenig möglich, so lange es nicht gelingt, eine wohlfeilere bewegende Kraftherzustellen als den Dampf. So lange Dies nicht gelingt, so lange die Transportkostenauf den Eisenbahnen noch eben so hoch zu stehen kommen als der Transport auf denChausseen, so lange werden auch die Waaren, die auf der Eisenbahn kommen, nichtwohlfeiler abgelassen werden können als diejenigen, welche auf den Chausseen ankom-men ; so lange ist daher auch kein Grund zu der Annahme vorhanden, daß die Eisenbahneneinen, wie man zu sagen liebt, ganz unberechenbaren Einfluß auf die Vermehrung desVerkehrs ausüben werden. Anders und besser können sich die Sachen noch gestalten, wennes gelingt, eine wohlfeilere bewegende Kraft, oder auch die gegenwärtige bewegende Kraftmit bedeutend geringeren Kosten Hermstellen, damit sich die Transportkosten mindern.

Dann würde der Preis aller zu transportirenden Güter fallen und folgerecht der Ver-brauch derselben, also auch der Verkehr steigen.

Manche Versuche sind schon gemacht worden. Clegg wollte den Druck der Luftauf der einen, in Verbindung mit einem luftleeren Raume auf der andern Seite als be-wegende Kraft benutzen, doch haben seine Versiehe nock zur Zeit zu keinem Resultate ge-fükrt. Eben so wenig ist Dies der Fall gewesen mit den elektromagnetischen VersuchenWagner 's und Stöhr 's. Indessen liegt die Sache immerhin noch nicht außer demBereiche der Möglichkeit und man darf die Hoffnung darauf nicht aufgeben. 4

Auch in geistiger Bestehung sind die Eisenbahnen eine wichtige Erfindung. Sierücken entfernte Orte und Länder einander nahe, erleichtern den Reisenden ihren Besuchund können daher nicht anders als wohlthätig wirken.

D>« Sache der Eisenbahnen an sich ist daher unbezweifelt gewonnen. Nur darüberscheint man nicht überall einverstanden zu sein, ob der Staat für ihre Erbauung zu sorgenhabe oder nicht ? In Preußen z B. hat man sich zur Zeit erst für eine Mitwirkung er-klärt. während in Belgien, Oesterreich, Baden, Baiern und Hannover die Bauten aufStaatskosten unternommen werden. Im Ganzen scheint uns folgerecht zu sein, daß derStaat sie baue, wenigstens dann, wenn sich keine Privatunternehmer finden. In.Deutschland sind die rentablen Strecken durch Privatunternehmer so ziemlich ausgebeutet.

Für Das, was noch zu thun übrig bleibt, möchten sich schwerlich Privatunternehmerfinden.

Ist nun die Herstellung eines Eisenbahnsystems in Deutschland eine Sache unab-weislicher Nothwendigkeit, wenn wir nicht binter anderen Völkern Zurückbleiben wollen,so >st damit zugleich die Verpflichtung der Regierungen, für die Herstellung der noch er-forderlichen Eisenbahnlinien aus Staatsmitteln Sorge zu tragen, ausgesprochen. Habendie Regierungen von jeher die Sorge für Erbauung der größeren und wichtigeren Straßenübernommen, so gehört ihnen auch subsidiarisch die Sorge für Erbauung von Eisenbahnen,die eben nichts Anderes sind als verbesserte Straßen. ^

Eine andere Frage ist es, ob sie auch den Betrieb derselben für eigene Rechnung über-nehmen sollen oder nicht. Ein vollkommenes Freigeben des Betriebes des Transports,wie Solches auf den Straßen statisindet, ist aus polizeilichen Gründen nicht wohl möglich.Einheit der Leitung dess-lben ist «ine unerläßliche Bedingung, wenn Unfälle vermiedenwerden sollen. Darum scheint die Wahl nur zwischen dem eigenen Betriebe und derUeberlassung desselben an einen Unternehmer möglich zu sein. Letzterer benutzt ihn inseinem Interesse, er will Gewinne dabei macken. Der Staat sollte nicht darauf denken, -

sondern hauptsächlich darauf seken, die Frachtkosten auf das möglich« Minimum zu «du-rsten. Dann scheint mir die Regie des Staates den Vorzug zu verdienen.