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Straßen, Landstraßen, Straßenbau.
Die Anlegung guter Straßen muß daher die erste Sorge einer Regierung sein, welchewahrhaft für das allgemeine Wohl besorgt ist. Wo sie fehlen, da fehlt auch vielen Gü-tern, namentlich den schwereren Gütern, aller Tauschwerth, weil sie entweder gar nicht,oder nur mit großen und ihren Tauschwerth übersteigenden Kosten dahin gebracht werdenkönnen, wo sie begehrt werden. Erst in der neuern Zeit hat man den großen Werth guterStraßen richtig zu erkennen und zu würdigen angefangen.
Zwar bildeten sie früher schon einen Gegenstand, mit dem sich die Regierungen be-schäftigten, aber es wurde nur sehr wenig dafür gethan. Man besserte gelegentlich diealten Straßenzüge, die man von der Vorzeit überkommen hatte, aus und überließ dieEommunalwege der Sorge der anliegenden Gemeinden. Diese thaten Nichts dafür,Jedermann mochte sehen, wie er eben fortkomme; Wagner, Schmiede und Stellmacherwollten auch leben. Das ist ungefähr noch der Zukand der Dinge in Spanien, Portugal,Sicilien, Neapel, Sardinien und dem Kirchenstaate. Darum können diese Länder,trotz ihrer Fruchtbarkeit und glücklichen Lage, sich nicht heben; nur etwa die an den Küstenoder in ihrer Nähe liegenden Orte treiben mittelst der Schifffahrt einigen Verkehr. ImInnern dagegen ist es überall todt und öde.
In den weiter vorgeschrittenen Staaten hat man aber schon seit längerer Zeiteine immer steigende Sorgfalt auf Erbauung guter Landstraßen gewendet. Statt derfrüheren krummen und oft auf großen Umwegen zum Ziele führenden Wege baut mangegenwärtig die Straßen, so viel es sich immer lhun läßt, in gerader Richtung und ge-winnt dadurch an Terrain, wie für das Fortkommen an Zeit. Wenn früher die Wegein gleichem Niveau mit dem zunächst liegenden Terrain fortliefen und bei Regenwetter, wel-ches oft keinen Abfluß hatte, in manchen Gegenden fast grundlos wurden, so erhebt mansie gegenwärtig über das zunächstlieqende Terrain (daher der Name Hochstraße), erhöhetsie in der Mitte, damit das Regenwasser besser ablausen könne, zieht an den Seiten Gräben,um dessen Abfluß zu befördern, und bestreut sie von Zeit zu Zeit mit geklopften Steinen,welche sie fester machen und die Reibung der Wagenräder dadurch vermindern. Nochvollkommener sind die von ihrem Erfinder sogenannten macadamisirten Straßen, die vor-züglich in England heimisch sind. England, Belgien und Deutschland dürften die Län-der sein, welche die meisten und besten Straßen besitzen.
So weit man es nun auch im Straßenbaue gebracht hatte, so blieben doch alle dieseLeistungen eben so weit, wo nicht noch weiter, hinter den Eisenbahnen zurück; und es istgar keinem Zweifel unterworfen, daß in nicht ferner Zukunft alle fortschreitenden Völker,wenigstens in den Hauptrichtungen ihres Verkehrs, Eisenbahnen erbaut haben werden.England und Belgien haben bereits ein vollkommenes Eisenbahnsystem. In Deutschlandist ein guter Anfang dazu gemacht und die Fortsetzung und Vollendung bereits beschlossen.In Frankreich ist ein Eisenbahnsystem ebenmäßig wenigstens beschlossen. In Nordame-rika werden nicht minder zwischen allen wichtigen Punkten Eisenbahnverbindungen er-richtet. Nach dem Verlaufe weniger Jahre werden daher Nordamerika und Mitteleuropaein vollständiges Eisenbahnsystem haben.
Fragen wir nun nach dem Vorzüge der Eisenbahnen vor den Chausseen, so bestehtdieser zunächst in der sehr gesteigerten Geschwindigkeit des Fortkommens. Man brauchtnur etwa den vierten Theil der Zeit, um auf Eisenbahnen dieselbe Entfernung wie auf denbesten Chausseen zurückzulegen. Für den Personentransport ist dieser Vorzug klar undentschieden. Der Reisende erspart aus der Lisenbahn nicht nur an Unterhaltskosten, son-dern, was ungleich wichtiger ist, an Zeit. In Bezug auf den Transport der Güter istdiese Geschwindigkeit, so viel man sich auch davon versprechen mag, von unendlich ge-ringerer Bedeutung.
Zwar mag die größere Geschwindigkeit des Gütertransports für Einzelne und in ein-zelnen Fällen, wie z. B. auf Messen, erwünscht und vortheilhaft sein. Im Allgemeinenaber kann sie allein schwerlich große Wirkung auf vermehrten Absatz der Waaren Hervor-bringen. In der Regel fehlt es nirgends an Gütervorräthen für die Consumenten, undes ist im Allgemeinen noch nie die Consumtion durch Mangel an Gütern aufgehaltenworden. Daher ist sehr zu bezweifeln, daß sie, blos um deswillen, weil die Güter in