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12 (1848) [Schl - Zwe]
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Schule«, Mittelschulen. 31

dische, sucht sich in gemüthbildender Entwickelung möglichst an das Hauptelement anzu-reihen. Eben so die neueren Sprachen, besonders di« französische.

Durch das Ganze herrscht der Grundsatz, daß die Bildung des Menschen und künf-tigen Staatsbürgers mit der Bildung des Gelehrten in der wissenschaftlichen Erziehungeines und desselben Individuums unzertrennlich verbunden werde.

Der Unterricht in der Religion wird Sache der Kirche bleiben müssen ^), obschonauch er seiner ganzen Natur nach sich leicht an das poetische Bildungselement anschließtund zum wohlthätigsten Einflüsse auf die Bildung des Gemülhes berufen ist. DiesesLetztere wird übrigens in eben dem Grade nicht der Fall sein, als man mit kirchlichemStarrsinne, wie bisher, fortsährt, die positive Seite der christlichen Religio-nen zur Hauptsache zu machen und darüber das wahre, reine Christenthum zu verges-sen. Damit ist jedoch keineswegs einer frühreifen Aufklärerei das Wort geredet, sondernnur so viel gemeint, daß beim Religionsunterrichte der zu wissenschaftlichemBerufe bestimmten Jugend durchaus keine abergläubischen Vorstellungen beige-bracht, sondern auf dem Wege der Vernunftthätigkeit vollständige Belehrung und Ueber-zeugung des Verstandes mit gleichmäßiger Belebung des Willens zum reinen tugendhaftenHandeln erzielt werden müsse. Dieser Unterricht muß deshalb nothwendig nach den Lebens-jahren der Zöglinge fortschreiten und mit der Reife des Verstandes, welcher die sittlichenund religiösen Wahrheiten auffassen soll, gleichen Schritt Hallen. Theologisch gelehrterUnterricht wird jedoch selbst in der obersten Classe zu vermeiden sein und eine gemüthvolleMittheilung der Religionswahrheiten im Sinne Christi diesem Lehrzweige eine möglichstpraktische Richtung geben. Die in späterer Lebenszeit bei Männern des wissenschaftli-chen Faches so häufige Abneigung gegen die Bestrebungen der christlichen Kirchen, und derden Theologen unserer Zeit so verhaßte Jndifferentismus rührt größtentheils gerade vonMisgriffen der Theologen im Religionsunterricht und von einem übermäßigen Zwangeher, mit welchem man so äußerst thöricht und verkehrt die Jugend der Gelehrtenschulen,deren Geist durch die übrigen Bildungselemente dieser Anstalt zur Selbstständigkeit erho-ben wird, zu sklavischem Stupor äußerlich kirchlicher Frömmigkeit zwingen will. Hatman doch selbst in unseren Tagen diese Verkehrtheit der Ansicht über die Bestimmungder Gelehrtenschulen so weil getrieben, daß nach dem früheren Beispiele der Schwärmeraus der Franke-Spener'schen Schule Leute, deren Namen wir hier die Ehre der Nennungversagen, sogar den Rest der sprachlichen Uebungsbücher in Latein und Griechisch aus demGebiete des Christenthums genommen und die Lectüre der alten Classiker, eben nur derunglückseligsten Kirchendogmatik wegen, aus diesen Anstalten verbannt wissen wollten.Zugleich indirektem schlagender Beweis, wie sehr die Freunde der Aufklärung und desallgemeinen Fortschrittes fehlen, wenn sie auf Verdrängung der classischen Studien ausden Gymnasien hinarbeiten.

Daß bei der Zumuthung einer bedeutenden Anstrengung der studirenden Jüng-linge, besonders in den Oberclassen (wozu sie das Glück, wissenschaftlich unterrichtet zuwerden, moralisch verpflichtet), die physische Kräftigung derselben eine in jeder Beziehung,besonders im Staatsinteresse, höchst wichtige Sache ist, unterliegt heut zu Tage keinemZweifel mehr, und die von den meisten Regierungen dieser Sache gewidmete Aufmerksam-keit, besonders die an vielen Orlen eingeführten Turnübungen müssen nur noch um einBedeutendes erweitert und erhöht, für die reifsten Schüler aber vielleicht nicht ohne Vor-theil mit militärischen Uebungen verbunden werden. Näheres sehe man unter dem Arti-kelPhysische Erziehung".

Die moralische Erziehung des Menschen beruht vorzüglich auf Einschrän-kung der sinnlichen Natur und Weckung der geistigen, welche dem ganzen Leben seine Rich-tung verleihen muß. Daß eine ächte theoretische Geistesbildung zur Erreichung die-ses Zweckes sehr viel beitragen kann, ist unleugbar, aber auch eben so bestimmt, daß Dies

38) In Holland ist Dies so sehr der Fall, daß auf den dortigen sehr guten Gymnasiengar kein Unterricht in der Religion ertheilt wird. Vergl. Fr. Thier sch, Zustand des öf-fentlichen Unterrichts u. s. w. U. 13. S7.