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Schulen, Mittelschule«.
herrschend, alles Gedenkbare in einer Anstalt zugleich treiben möchte und eben deshalballer Gründlichkeit sowohl im Technischen als im Wissenschaftlichen verlustig geht. Siezersplittert die Geisteslhätigkeit ihres unglücklichen Schülers nach zwanzig Seiten hin,schwächt sie dadurch und überlastet ihn mit einer trüben Masse von Curiositäten und zweck-losen Halbfertigkeiten ^).
2) Diejenige des puren Schlendrians, welche veraltete Schulformen gern unver-bessert fortdauern läßt und aus stagnirendem Stabilitätssinne nicht blos ihre Beibehal-tung verficht, sondern auch ihre Repristination verlangt. Musterhaft repräsentirt ist dieseRichtung in folgender Schrift: Die Mittelschulen, wie sie größtentheils sind und wie sieallgemein werden sollten- Vom großherzoglich badischen Staatsrathe von SenSburg(Karlsruhe 1831).
3) Die mit ihr verwandte jesuitische, welche, dem Anscheine nach den klassischenStudien vorzugsweise ergeben , die Freiheit der inneren Entwickelung zu hemmen suchtund nicht blos alte Sprachen und Mathematik, sondern selbst die Poesie und Geschichtezu schmählichen Geistesfrffeln umformt. Vergl. den Artikel „Jesuitismus" im Staats-Lexikon nebst der Schilderung des Jesuitencollegiums zu Gent in Thiersch's päda-gogischer Reise (Zustand des Unterrichtes u. s. w.) H. 498 folg. Ueber die Leistun-gen der Jesuiten in den Wissenschaften überhaupt spricht sehr freimüthig der katholischePriester Victor Keller, Nachlaß II. 147 folg. (Freiburg 1830). Die RichtungenNr. 2 und 3 herrschen vorzugsweise in Oesterreich. S. die Schrift: Fragmente ausOesterreich (Mannheim, 1839, S. 76 ff.) und Freihafen 1839. 2. Heft S. 200ff. Vergl. Schmidt: Wien, wie es ist (Wien, 1833), und Pius DesideriuS,Ueber Erziehung und Unterricht in Ungarn (Leipzig, 1833). Durch Baiecns Richtungund Vermittelung drohen übrigens diese beiden Richtungen in ganz Süddeurschland, wosie zum Theil schon spuken, herrschend zu werden.
4) Die einseitig philologische, welche Nichts will als alte Sprachen und alte Aucto-ren und in England ihren vorzüglichen Sitz hat ^).
Dagegen stellen wir aber als die einzig heilbringende
5) die ächt humanistische auf, in welcher sich, bei philologischem Moderatis-mus und unabweisbarer Rücksicht auf encyklopädische Abrundung, drei Hauptelementeeinen und durchdringen:
a) Das Studium des klassischen Alterthums und seiner Sprachen zum Zwecke undin der Weise geistiger Befreiung und Erhebung durch eben so große Lebendigkeit alsGründlichkeit der Methode und stete Betrachtung der rein menschlichen Seite des Alter-thums in religiöser, sittlicher und politischer Beziehung; an die Lecküce alter Philosophenschließt sich der propädeutische Unterricht in speculativer Philosophie an, und bei der Aus-wahl sämmtlicher Schulauctoren wird-ahm gestrebt, daß dieselben in ein gutes Verhält-niß zu den Realien und Wissenschaften treten, die in einem Gymnasium gelehrt werdenmüssen.
b) Mathematik in rein rationeller Richtung, woran sich zum Theil Geographie undPhysik anschließen.
c) Das Poetische im umfassendsten Sinne, als Anregung und Entwickelung derproductiven Kraft des Zöglings in Rede und Schrift, gegründet auf den mit vorzüglicherBerücksichtigung der Bildung zum öffentlichen freien Vortrage zu ertheilenden Unterrichtin der deutschen Sprache und Literatur. Die Geschichte, vorzüglich alte und vaterlän-
86) Orelli, Pädagogische Ansichten S. 49.
37) Vergl. Fischer, Ueber die englischen Lehranstalten in Vergleich mit den unserigen(Berlin 1827). Kruse, Betrachtungen über den Zustand der englischen Erziehungsanstal-ten (Elberfeld 1837), und besonders Scebold, Ueber den Zustand der englischen Schulen,in den Verhandlungen der 2. Versammlung der Philologen (Mannheim 1839). Diese Ein-seitigkeit des Philologismus der englischen Schulen ist daher der Grund, daß auch in diesemLande der Kampf zwischen Humanismus und Realismus ziemlich heftig auszubrechen droht.(S. Allgemeine Zeitung 1842. Nr. 27S. S. 2219.)