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Schule«, Mittelschulen.
berechtigt wäre; in manchen Theilen des deutschen Vaterlandes hat solch besseres Ver-hältniß kaum begonnen und liegt deshalb hier und da im störenden Kampfe mit den Ver-härtungen der Vergangenheit. Ueberdies hat der Geist unseres Zeitalters aus triftigenund heilsamen Gründen keine Dinge mehr in Controverse gestellt als die des öffentlichenUnterrichtes; die natürliche Folge dabei ist ein überall unverkennbares Schwanken derGrundsätze, Unsicherheit und Mißgriffe jeder Art bei Organistrung der Skudienbehörden,grobe Fehler bei Anstellung der Lehrer. Wenn man deshalb auch weit entfernt ist, diepanegyrischen Erhebungen unseres gelehrten Schulstandes, in denen sich nur die philolo-gische Eitelkeit gewisser Leute gefällt, zu theilen, so darf man doch behaupten, daß esnicht blos jetzt sehr viele Mitglieder dieses Standes giebt, die eine eben so verständige alsfruchtbringende Methode festhalten, sondern daß schon früher, als noch die Theologen inden Schulen Meister waren, gerade die damals noch seltenen Philologen, z. B- Matth.Geßner, auf Besserung drangen und sie allmälig bewirkten. Selbst Männer, dieaußerhalb der Schulphilvlogie stehen, erkennen Dieses dankbar an ^).
5) Vernachlässigung der Gemüthsbildung durch Einseitigkeit und ge-lehrte Gleichgültigkeit der Lehrer, während nächst dem Religionsunterrichte gerade dieklassischen Studien es sind, welche, recht und mit Liebe betrieben, den größten Einflußauf die der Humanität entsprechende Richtung der Gefühle ausüben und auf das ganzeSeelenleben des Jünglings tief, erhebend, stärkend, befruchtend einzuwirken vermögen.
6) Vernachlässigung der Muttersprache beim Lesen der Alten,wodurch zugleich der Geschmacklosigkeit in die Hände gearbeitet wird. Muster dieser Ver-irrung sind die nicht seltenen Uebersetzungen besonders klassischer Dichter, welche ohneVergleichung mit dem Originale ganz unverständlich sind, aber dennoch ihre Lobrednergerade unter den Schulmännern finden.
7) Einseitiges Vorherrschen des Classensystems oder des entgegengesetzten Extrems,wodurch Mangel an Gründlichkeit, Stetigkeit und Zusammenhang in das Ganze einbrichk.Das richtig vermittelnde System muß den Lehrer in einem einzelnen Fache unbescha-det des Hauptlehrers gut eintreten lassen und der Schüler muß einzelnen Lehrgegenstän-den, unbeschadet des allgemeinen Lehrganges, in besonderen Gassen zugewiesen werdenkönnen. Auch hier hat man die Trennung in Unter- und Obergymnasien im Auge zubehalten.
8) Vergessen des Verhältnisses der Gelehrtenschule zur untersten Volksschule, wo-durch der ganz« Gesichtspunkt zu speciell, der Charakter der Anstalt einseitig und diestaatsbürgerliche Erziehung vernachlässigt wird. Fr. Thiersch ist ein Musterdieser Verirrung.
9) Die Zersplitterung und das Mengselwesen, welchem nur durch Ausscheidung,Concentrirung und weise Ordnung abgeholfen werden kann. Es giebt Lectionsplane,nach denen in der Woche 15—20 Dinge in einer Gasse neben einander vorgenom-men werden, z. B- drei lateinische Schriftsteller (und noch mehr) neben einander undeben so viele Griechen; Geschichtschreiber, Redner, Philosophen vermischt mit den hetero-
, gensten Dichtern; daneben die Grammatik beider Sprachen; außerdem Englisch und Fran-zösisch; ferner eine Menge von Wissenschaften: Geographie, Geschichte, reine und ange-wandte Mathematik, Physik, Naturgeschichte, Chemie, Alterthumskund«. So Etwasgränzt an Unsinn ^).
Unter den verwerflichen Charakteren und Richtungen der Gelehrtenschulen nennenwir deshalb:
1) Eben diese realistisch-humanistische Mengselei, welche, z. B. in der neuen Stu-dienvrdnung des Großherzogthums Baden und in den Vorschlägen von Klump p^)
33) Vergl. außer Rehberg besonders Wurm S. 18 ff. des oben erwähnten Pro-gramms.
34) Greverus a. a. O. S. 149.
35) Die gelehrten Schulen nach den Grundsätzen des wahren Humanismus und den An-forderungen der Zeit. Stuttgart 1829—3V. 2 Bände. Gegen Fr. Thiersch, Uebcr gelehrteSchulen. Stuttgart 1826. 3 Bände, wo im 3. Bande wider Klumpp replikirt ist.