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12 (1848) [Schl - Zwe]
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Schule«, Mittelschulen.

kunst und Geschichte mehr ersticken als erwecken muß. Wem von uns wären auch dieAlten, die wir in unserer Jugend zu exponiren und commentiren hatten, nicht auf langeZeit zuwider geworden? Ich frage Jeden, der in diesem Falle war, auf sein Gewissen.Die Sprache ist doch nur ein Mittel, nicht Zweck; es wäre nun der Zweck zu finden, derdieses kostspielige Mittel des Studiums der Alten lohnte? Um die Alten in der Ursprachelesen zu können, lernt man diese nicht; denn wir haben sie in Uebersetzungen, wie wir sieselbst zu liefern größtentheils nicht fähig sind. Warum aber sollten wir sie uns mühevollschlechter übersetzen, als es Andere für uns gethan? Freilich wird auch bemerkt, das Er-lernen fremder Sprachen, besonders der alten, erleichtere das Studium der Mutter-sprache. Ein schönes Ecleichterungsmittel in der That! Man versuche es doch, diesechs bis acht Jahre, welche auf Latein und Griechisch verwendet werden, auf seine Mutter-sprache, auf vaterländische Literatur und einige lebende Sprachen zu verwenden, und sage,ob man sich nicht mehr erleichtert fühlt! Ein beschwerlicher Umweg führt allerdings auchzum Ziele; doch wählt der Verständige den bequemsten und kürzesten dazu" ").

Der freisinnige badische Deputirte A. Sander erklärte in noch entschiedeneremTone in der 37. Sitzung der zweiten Kammer von 1842^),daß das Griechischeund Lateinische nur verdumme", und in diesem Sinne bemerken Andere:Der türkische Sultan hat also recht daran gethan, in seinen neuen Gymnastalstu-dienplan das Latein und das Griechische nicht aufzunehmen."

Um diese Angriffe zu würdigen, kommt es vor Allem viel darauf an, von welchenAnsichten über Welt und Bestimmung der Menschen man geleitet wird ^). Im Gegen-sätze gegen den in der Volksschule zur Sittlichkeit und zu einiger Kenntniß zu bilden-den größten Haufen der Bevölkerung, dessen Geschäfte aus unabweisbaren Gründen im-mer der bloßen Erwerbung des nöthigsten Unterhaltes gewidmet und deshalb mechanischbleiben werden, können die höheren Stände der Gesellschaft, also ganz vorzüglich dieStaatsbeamten, zur Erfüllung ihres hochwichtigen Berufes der gründlichen wissen-schaftlichew Einsicht durchaus nicht entbehren- Die sehr beträchtliche Zahl von wis-senschaftlich gebildeten Männern, die zu den ersten Bedürfnissen des Staates gehört,wird aber jedes Mal nur dann vorhanden sein, wenn eine noch viel bedeutendere Zahl vonMenschen durch mannigfaltige Uebung der Seelenkräfte zu allgemeiner Ausbildungderselben gelangt. Diese durchaus zur Erreichung des höheren Staatszweckes nöthigeElite der Staatsbürger bedarf überdies, im Vergleich gegen den gemeinen Mann, eineruniverselleren, tieferen und umfassenderen sittlichen Bildung, in welcher die das hö-here Menschenleben charakterisirenden feineren Gefühle des Schönen, Edlen und Gutenihre Stütze und Erhebung finden müssen. Diese letztere sittlich-ästhetische Bildungund der mit ihr verbundene edle Geistesluxus sind, wie die Hochgebildeten aller Zeiten undVölker eingestehen, durch Nichts besser zu erreichen als durch das Studium der alten Li-teratur ; die erstere aber, d. h. die eigentlich wissenschaftliche Bildung, ist, nach den je-tzigen Umständen der Welt, ohne jenes Studium der alten Literatur garnicht möglich. Wir legen in unserer Abhandlung den Hauptnachdruck auf diese letzteSeite, da wir zunächst die Staatsverhältnisse im Auge haben. Es sind aber alle unserewissenschaftlichen Kenntnisse nicht nur in ihrem ersten Grunde aus der alten Literaturentsprungen, sondern sie beruhen auch noch jetzt großentheils auf jenem Grunde. Wie dienatürlichen Organisationen, Pflanzen und Thiere, sich der Schwere entwinden, aber die-ses Element ihres Wesens nicht verlassen können, so ist, wie Hegel schön bemerkt, alleKunst und Wissenschaft dem klassischen Alterthum entwachsen; und, obgleich auch in sichselbstständig geworden, hat sie sich von der Erinnerung jener älteren Bildung nicht befreit.

14) Weitzel in seiner Schrift:Was soll man. lernen? Oder: Zweck desUnterrichts" (Leipzig 1828), S. 17 flgg.

15)Badisches Landtagsblatt von 1842." Nr. 106 und 1V7. S. 417 a.

16) A. W. Rchberg,Ueber das Studium der alten Sprachen als allgemeinesBildungsmittel der höheren Stände" (Berlin 178889); in dessenVermischten Schriften"(Hannover 1828). Lhl. I. S. 259 ff.