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12 (1848) [Schl - Zwe]
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Schule« , Mittelschule«.

mit ihren frömmelnden, versteckten Warnungen vor den heidnischen Greueln der Gelehr-tenwelt. Von einer andern Seite werden die griechischen und römischen Schriftsteller mitArgwohn angesehen, weil sie, republikanische Freiheit athmend und von republikanischemGeiste und Leben erfüllt, eine dem Bestehen der Monarchie gefährliche Gesinnung erweck-ten. Viele, vielleicht die meisten dieser Gegner gehören sogar zum Panier des politischenLiberalismus und wollen, wie sie dem Bestehenden und Althergebrachten in vieler Be-ziehung mit gutem Rechte feind sind, so auch von demjenigen Bande Nichts wissen, durchwelches in Kunst und Wissenschaft die Gegenwart mit der Vergangenheit verknüpft ist.Nur für beschrankte literarische Einsiedler und Dunkelmänner, glaubt man, passen sienoch, und außer den durch ihr Schulamt darauf gewiesenen Pedanten ooer enthusiastischenBelletristen werde sich in unserer Zeit nicht leicht Jemand mit diesem Quarke befassen, dernur im Stande sei, den Fortschritt des Jahrhunderts zu hindern'").Das Studmmder Griechen und Römer ist es, welches den Jüngling unfrei ") macht und ein geistlosesNachbeten und Nachkriechen erzeugt. In freien Staaten sollte dieser zeit-, geld- undkraftsressende lateinische und griechischeKram auch als ein altes Möbel in die aristokratischeRumpelkammer geworfen werden. Man kann Arzt, Advocat, ja Prediger sein, ohneLateinisch oder gar Griechisch zu verstehen" *2).

Wenn sich behaupten laßt, daß wir in wissenschaftlicher Hinsicht in einer klassischenZeit leben, so haben wir weniger nöthig, die klassische Vergangenheit zu studiren, als diesesnoch vor 50 Jahren nöthig war, bedürfen daher auch in weit geringerer Ausdehnung dieMittel dazu. Bei der Vollkommenheit unserer Muttersprache sind bei Abfassung derSchriften die griechische und lateinische unnöthig geworden, letztere wird nicht mehr beiöffentlichen Verhandlungen gebraucht; auch hat man so gediegene und vollkommen gutgerathene Uebersetzungen sämmllicher Werke der Griechen und Römer, daß solche nichtEiner unter tausend jetzt Latein und Griechisch Lernenden dereinst besser zu liefern vermag.Und da eben so von jedem Zweige des menschlichen Wissens in unserer Muttersprache vor-zügliche Werke abgefaßt sind, so ist die Erlernung der alten Sprachen in der Ausdehnungbei Weitem nicht mehr so nothwendig als früher, wo unsere Muttersprache noch unvoll-kommen war. Bedenkt man nun ferner, daß die Lebensverhaltnisse der gegenwärtigenZeit so viele Fertigkeiten und Kenntnisse von einem Menschen verlangen, um im Staats-dienste oder im bürgerlichen Leben ein Geschäft mit Erfolg treiben zu können, daß aber diegründliche Erlernung dieser Fertigkeiten und Kenntnisse durch das fast alle Schulzeit rau-bende Lernen der alten Sprachen unmöglich gemacht wird, so ist das jetzt auf unserenGelehrtenschulen so ausgedehnte Treiben des Lateinischen und Griechischen für die Studi-renden offenbar nachrheilig, und zwar um so mehr, da so viele Schüler, die weniger Sinnfür Philologie als für andere nützliche Wissenschaften haben, abgestumpft und desStudirens überdrüssig gemacht werden, wodurch dann der Zweck einer höheren Bildungsehr viel verliert, oft ganz verloren geht" ").

Sechs bis acht Jahre des schönen Lebens werden daran gewendet, um ein wenig La-tein und Griechisch zu lernen, von dem es zweifelhaft ist, ob es die Hälfte von Denen, die esgelernt, je brauchen kann. Und wahrhaftig, man lernt es nicht, um den Geschmack zu bil-den und den Geist zum Wahren und Schönen zu beleben, vielmehr um jenen zu verderbenund diesen mit abstumpfenden Uebungen zu tödten. Die Schwierigkeiten der Gramma-tik und der Syntax machen das ganze sogenannte klassische Studium aus; denn bei denDichtern ist die Rede eben so wenig von Poesie als bei den Historikern von Geschichte.Alles dreht sich um einen dürren, steifen Sprachmechanismus, der die Liebe zur Dicht-

10) Vcrgl. Friedemann,Beiträge zur Verfassung und Verwaltung deutscherGymnasien." 2. Heft (Weilburg 1833). S- 186.

11) Wahrscheinlich deswegen, weil die klassischen Studien den Freiheitssinn nicht genugnähren, sind sie in Oesterreich in so jämmerlichem Zustande.

>2) Aarauer Aeirung 1832.

13) Erklärung des Landcsdcpurirten und Hütteninspectors Jung von Steinbrücken andie Ständeversammlung des Herzogthums Nassau im Jahr 1831.

Staats-Lerikon. XII. 2