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Schlözer, August Ludwig Sou.
seine „Vorbereitung zur allgemeinen Weltgeschichte", ein kleines, aber sehr gehaltreichesBüchlein, das in 7 bis 8 Auflagen erschien und in die meisten gebildeten Sprachen Euro-pas übersetzt wurde. Nicht minder gehaltreich ist das Büchlein: AllgemeinesStaatsrecht und Staatsverfassungslehre, 1793.
Noch entschiedener gebührt ihm der Ruhm, durch seine „Theorie der Statistik", ob-gleich davon nur ein einziges Heft erschienen ist, unter die Mitschöpfer einer neuen Wissen-schaft gezahlt zu werden. War es gleich Achenwall, welcher der Statistik den Namengab und sie dadurch als ein besonderes Gebiet im Gesammtorganismus der Wissenschaftenhervorhob, so faßte sie doch Schlözer in viel größerem Umfange und weit gründlicherauf als die bisherigen Statistiker, die unter dem Namen von Vorbegriffen der Statistik,oder von allgemeiner Statistik, welche sie dem praktischen oder besonderen Theile ihrerSchriften vorausgehen ließen, stets nur einen sehr dürftigen Entwurf gaben. Und magauch Schlözer den Begriff der Statistik noch nicht in ganzer Scharfe und Vollständig-keit aufgefaßt und ausgesprochen haben, so hauchte er dock der unzusammenhangendenMasse von Notizen, die erst noch nach der Gestalt einer Wissenschaft rang, den lebendigenAthen, des Geistes in den treffenden Worten ein: „Die Statistik ist die stehen gebliebeneGeschichte, und die Geschichte die in Bewegung gesetzte Statistik"*). Auch für die Ver-breitung statistischer Nachrichten und zur Erweckung einer größeren Steigung für statistischeForschungen und Studien hat Schlözer in seinem Briefwechsel und seinen Staats-anzeigen ungemein viel dadurch geleistet, daß er die einschlägigen Mittheilungen in un-mittelbar lebendige Verbindung mit der Politik und den gerade vorherrschenden Interessenzu bringen wußte. Endlich verdankt ihm die weitere Ausbildung der Politik als Wissen-schaft, worin er hauptsächlich auf der von Montesquieu gelegten Grundlage fort-baut,, manche Bereicherung und Erweiterung. Viel größer aber ist Schlözer's Ein-fluß als Journalist auf das Leben seiner Nation. Konnte sich auch sein Urtheil über dieeine neue Epoche der Weltgeschichte einleitenden Revolutionen in Nordamerika und Frank-reich nicht über die Beschränktheit einer Zeit erheben, aus der er seine ganze Bildung bisins Vollreife Mannesalter geschöpft hatte, so hat er doch an seinem Theile das Möglichedafür gethan, um allseitige Bewegung in das verknöcherte Leben zu bringen und die folgen-den Geschlechter gegen Erstarrung und Einseitigkeit und Vorurtheil zu bewahren. Erwar der unermüdliche Kämpfer gegen das aufgeblasen engherzige und beengende Spieß-bürgerthum der Kaste der Gelehrten und Beamten; ec schwang mit unauslöschlichem Zorndie Geißel und klopfte den Schein der erborgten Weisheit aus den hochgebornen und wohl-gebornen Perücken; er band Feuer in die Zöpfe der Philister, daß diese in Angst und Nochüber das lang gewohnte Geleise wenigstens momentan hinausgerissen wurden; er schrittden Deutschen voran mit dem Muthe des freien Urtheils und weckte bei ihnen dasfreilich erst nach Jahrzehnten befriedigte Bedürfniß der Oeffentlichkeit. Aber auchnur für den ersten Versuch, die politischen Geheimniskrämer aus dem Tempel des Vater-landes zu jagen, war mehr als bloßes todtes Wissen erforderlich. Und wie Schlözer vontüchtiger vaterländischer Gesinnung durchdrungen war, so erkannte er sogleich das Eine,was dem Vaterlande Noth thut. „Er wünsche Deutschland", schrieb er einst aus Lübeck,„unter einen Herrn, es möge nun der — oder der König von Preußen sein." Der Letz-tere, so meinte er damals, müsse damit anfangen, sich ganz Deutschland zu unterwerfen.Man wird in neuester Zeit diesen Gedanken der Einheit anders formuliren und ihn nichtgerade durch eine deutsche Universalmonarchie verwirklicht sehen wollen. Aber ob nun derDeutsch» sein politisches Gebet um Einheit mit„Vater unser" oder „Unser Vater" beginne,es wissen doch endlich Tausende, daß die Echörung des Gebets nur von den Deutschenselbst abhängt, und daß nur sie das Heil Deutschlands verbürgt.
Wilh. Schulz.
Schlußacte, s. Deutscher Bund. »
Schmähschrift, s. Injurien.
.*) Waser (s. d.) nannte darum SchlLzerm, im Style jener Zeit, den „Vater oderwenigstens die Säugamme und Erzieherin der deutschen Statistik."