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12 (1848) [Schl - Zwe]
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SchlSzer, August Ludwig von.

schrieb er an seinen Sohn,so spricht ein Kaiser, ein Kaiser von Rußland zu einem Pro-fessor. Ich will Dir nur gestehen, daß mich keine je widerfahrene Ehre so gefreut hatals diese, zumal das adelige Wappen." Wie überhaupt der Preis der Dinge wechselt, sohaben auch die Stande und Classen der Gesellschaft zu verschiedenen Zeiten ihre verschie-denen Werthe: die Kaiser werden jetzt geringer, die Herrscher im Gebiete des Geistes wer-den höher tarirt und mögen sich mit gutem Rechte wohl selbst auch in höheren Anschlagbringen. Uebrigens mag bemerkt werden, daß er die Gunst des russischen Kaisers wohlhauptsächlich der Empfehlung von dessen Erzieher La Harpe verdankte, der Schlö-zern wegen seiner Angriffe gegen die schweizerischen Oligarchen hochschätzte; daß alsogerade hier einer jener seltenen Falle eintrat, wo die monarchische Auszeichnung einemKämpfer gegen Tyrannei und Willkür zu Theil wurde.

In Geschichte, Statistik und Politik hat sich Schlözer gleich große Verdienste er-worben. Bis zu seiner Zeit war es um die Geschichtschreibung in Deutschland kläglichbestellt. Sie beschrankte sich auf die geistlose Berichterstattung über den Wechsel derThrone und Dynastieen und über die kriegerischen Ereignisse, von denen Schlözer er-klärte, daß sie blos Mittel zum Zweck, nicht der Zweck selbst seien. Er nahm vielmehrdas ganze Volksleben, die Verfassungen und Gesetzgebungen, dis Einflüsse neuer Erfin-dungen und Entdeckungen, alle Fortschritte der geistigen und materiellen Cultur als denvollen historischen Inhalt in Anspruch, dem er durch Verbindung mit der Politik, durchstete Beziehung desselben auf die Einheit des Staates, ein immer lebendiges Interesse gab.Darin stand er allerdings nicht allein, sondern war mit Anderen, unter denen für die tie-fere Eckenntniß des deutschen Volkslebens und Staatslebens besonders Justus Möser(s. d.) hervorragt, nur einer der Ersten, mit denen eine neue Phase für die historischeLiteratur hereinbrach. Auch erkannte er Dies selbst in besonderer Beziehung auf das Alter-thum an, indem er schrieb:Seit Heyne und Michaelis angefangen haben, Po-litik in die Alterthümer zu tragen, hat Alles eine andere Gestalt gewonnen." Allein wennes auch namentlich Michaelis war, der bei ihm für eine bessere Methode im historischenStudium den Grund gelegt hat, so bauete er doch darauf mit reichem Material, nachselbstgeschaffenem Plane. Sein Handbuch der Universalgeschichte enthielt nicht bloseinen Schatz neuer historischer Ansichten, sondern auch in der Einleitung eine Art Theorieder Geschichte nach bisher völlig unbeachteten Gesichtspunkten. Vor Allem gaben ihmseine ausgebreiteten ethnographischen und sprachlichen Kenntnisse die Mittel an die Hand,für die Würdigung der Völker und ihrer welthistorischen Bedeutung einen ganz anderenMaßstab als den bis jetzt herkömmlichen anzulegen. Von solchem Standpunkte auswies er, im Gegensätze zu der bis ins Lächerliche getriebenen Ueberschatzung der Völker desAlterthums, zuerst den Arabern, Tücken, Mongolen die ihnen gebührende Stelle an; sodaß fortan manches scheinbar unbedeutende Volk, den mächtigen erobernden Nationengegenüber, in der Stufenleiter der Entwickelungen und Verdienste um die fortschreitendeCivilisation auf eine höhere Stelle gehoben wurde. Endlich machte er vorzüglich daraufaufmerksam, wie bei Classificationen in der Urgeschichte der Völker die Sprache das we-sentlich Unterscheidendesei; er hob damit zugleich eine allgemeinere Wahrheit hervor, diemit großer praktischer Bedeutung auch in die Politik eingreift und die Grundlage einesneuen Völkerrechtes zu werden verheißt. So erschienen von nun an die Nationen imVordergründe, während alle die Reihen der Kaiser, Könige und Fürsten, die den Ereig-nissen nur den Namen gaben und so oft nur als Träger der Weltgeschichte paradirten,gebührend zurückgewiesen wurden. Indem er aber überall dem Geiste der Geschichte seinRecht widerfahren ließ, wollte er doch das Drama der Ereignisse nicht in den Lüften ge-spielt haben und ließ gewöhnlich der Geschichte eines Volkes die Beschreibung des Schau-platzes seiner Rolle vorangehen. Daß ihm seine Sprachkenntnisse zugleich manche Ver-besserung in der historischen Etymologie an die Hand gaben, mag nur nebenbei bemerktwerden. Viel wichtiger aber war seine nicht erfolglos gebliebene Opposition gegen denMiSbrauch der Chronologie und gegen die Vollpfröpfung des Gedächtnisses mit einer tob-ten Masse auswendig gelernter Jahreszahlen, oder gar mit den Namen bedeutungsloserRegenten. Besonders viel that er für die Verbesserung des historischen Unterrichtes durch