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12 (1848) [Schl - Zwe]
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Schlözer, August Ludwig von.

Rechtsgeschichte und der Gesetzgebung des russischen Reichs. Er war dafür mittelbar undunmittelbar ungemein thätig und kann als der Schöpfer der neuen russischen Geschicht-schreibung, wenigstens als Derjenige bezeichnet werden, der die Lust an tiefer eingehendenForschungen über die Vergangenheit des eigenen Volks bei den Russen geweckt und dafürdie Bahn gebrochen hat.

Diese vielseitige literarische Thatigkeit in der russischen Kaiserstadt hatte Schlözerdurch eine Reise nach Deutschland unterbrochen, die den Wunsch einer baldigen Rückkehrins Vaterland bei ihm weckte. Der Zustand seiner durch mühevolle Arbeit angegriffenenGesundheit und eine in der Hauptsache gerechte Unzufriedenheit mit seiner Stellung undseinen geschäftlichen Beziehungen in Petersburg machten ihm eine zweite Reise nachDeutschland wünschenswerth und nothwendig. Als sein Urlaub auf die Neige ging, stei-gerte sich sein Widerwille gegen die Rückkehr: er forderte also (1769) und erhielt seinenAbschied. Zugleich wurde ihm eine Professur in Göttingen zu Theil, und in dem Wunsche,seine Stellung noch mehr zu sixiren, machte Schlözer in demselben Jahre Hochzeit mitder ältesten Tochter des verstorbenen Röd erer, einem sechszehnjährigen Mädchen, daser schon vor acht Jahren als seine Schülerin hatte kennen lernen*). Während seinerlangen akademischen Laufbahn gab er von größeren selbstständigen Werken, die zum TheilEpoche machten, nach und nach heraus:Große nordische Geschichte";Handbuch derWeltgeschichte";Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen";ältere Geschichte der Os-manen";Nesto r's Annalen"; sodann sein8)»tewa politices";Allgemeines Staats-recht und Staatsverfassungslehre";Theorieen der Statistik", 1. Hst. **) Nicht geringerenErfolg hatten seine akademischen Vorlesungen. In denen über allgemeine Weltgeschichte,die früher nur von Gatte rer gehalten wurden, stieg die Zahl seiner Zuhörer von 8 auf70 und 100; und diesen großen Kreis von Schülern sah er Jahrzehnte lang um sich ver-sammelt, bis endlich Spittler eine größere Anziehungskraft auf die akademische Ju-gend übte, so daß sich Schlözer veranlaßt sah, die Collegien im späteren Alter gänzlichaufzugeben. Kaum geringeren Beifall fanden seine Vorlesungen über nordische und süd-europäische Geschichte, über Politik, die er abwechselnd mit Achen wall las, sowie inspäterer Zeit über Statistik. Dazu kamen nach Umständen mehrere gelegentliche Neben-collegien, wie z. B- über dieKunst, mit Nutzen zu reisen", über ,denLuxus", überWechsel" rc. Es war zum Theil der Neid auf seine Leistungen und auf die Anerken-nung, die sie fanden, wodurch Sch löz er mit mehreren seiner Collegen sowie mit meh-reren anderen Gelehrten und Literaten Deutschlands in mannigfache Streitigkeiten ver-wickelt wurde, in denen das Recht fast durchaus auf seiner Seite war und die auf einigeseiner Widersacher, wie z. B. auf Kästner, seinen früheren Lehrerin der Mathematik,auf Basedow u. A., ein keineswegs günstiges Licht warfen. Auch Gatter er,Büsching, der Schwede Thumann, ein scharfsinniger vielversprechender Historiker,endlich der berühmte Herder gehörten zeitweise zu seinen Widersachern. Der Letzterehatte zuerst in der Allgemeinen deutschen Bibliothek eine bitter tadelnde Kritik vonSchlözer's historischem Handbuche erscheinen lassen und dadurch eine heftige Erwide-rung desselben hervorgecufen, stand jedoch in der Folge keineswegs an, die großen histori-schen Verdienste des Angegriffenen rühmend anzuerkennen. Aber schon im Anfänge dieserStreitigkeiten hatte Schlözer auch eben so zahlreiche Vertheidiger und Bewunderer ge-funden, zu denen unter Anderen Meusel gehörte, mit dem er vierzig Jahre lang inBriefwechsel stand-

Noch hatte Schlözer die seiner Thatigkeit angemessenste Sphäre einer ausgedehn-ten und tiefgreifenden publicistischen Wirksamkeit nicht gefunden, als er im Februar 1774

*) Schtdzer hatte mit ihr vier Sbhne und zwei Töchter, von welchen die jüngere ineinem Alter von 4 Jahren starb. Sein Liebling war die geistvolle, gelehrte, im Jahr 1787zum Doctor promovirte ältere Tochter Dorothea, die sich mit dem Senator Rodde zuLübeck verheirakhete. Schlözer erlebte nicht mehr die schlimmere Wendung im Schicksaleseiner Tochter durch den Bankerott ihres für unerschöpflich reich gehaltenen Mannes.

**) Vergl. den Art.Literatur der Staatswissenschaften",