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12 (1848) [Schl - Zwe]
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Schlözer, August Ludwig von.

sorgfältig anzumerken, und er also schwerlich schon zu der Ueberzeugung gelangt war, daß nach seinem späteren Ausdrucke > die Könige und ihre Regierungsjahre nur alschronologische Krücken" dienen- Michaelis, der bei ihm den Grund zu einer besserenMethode im historischen Studium legte, mochte bei ihm auch den ersten Funken seinerNeigung für die Staatswissenschaft geweckt haben. Als er später auf seiner Reise nachSchweden die Bekanntschaft des Buchhändlers Canzleirath Heuß zu Hamburg machte,übernahm er es, für dessen Zeitung, denPostreuler", gegen «in jährliches sehr geringesHonorar Correspondenzartikel aus Stockholm einzusenden, was ihn mit der Politik inweitere Berührung brachte. Der Reichstag in Stockholm, die gerade wichtigen Ver-handlungen desselben und die Hinrichtung des Grafen Brahe regten ihn noch mehr zumtiefer eingehenden Studium von Politik und Statistik an. Damit verband er historischeStudien, besonders über alte nordische Geschichte, und beschäftigte sich mit der Erler-nung mehrerer Sprachen zu dem hauptsächlichen Zwecke einer Berichtigung der falschenBegriffe über Völkerabstammung und Sprachverwandtschaft. Außer dem Arabischengab er sich namentlich mit dem Mösogothischen aus dem Ulfila ab, mit dem Isländischen,Finnischen, den Anfangsgründen des Polnischen und selbst einem Versuche zu Erlernungdes Lappischen. Im Hause des Bankiers Seele machte er auch seinen ersten schrift-stellerischen Versuch mit derNeuesten Geschichte der Gelehrsamkeit in Schweden", eineArt literarischer Anzeiger, wovon im Ganzen fünf Hefte erschienen. Diesem folgte derin schwedischer Sprache geschriebeneVersuch über Handel und Seefahrt der Alten", einzwar noch ziemlich unvollkommenes Werk, welches das Gothenburger Magazin von 1760in einer heftigen Kritik angriff, das aber doch schon in Politik und Staatswirthschaft all-gemein wichtige Ansichten aussprach.

Schlözer's Entschluß zu einer Reise in den Orient, worin ihn Michaelis undGesner durch ihre Empfehlungen unterstützten, war in Schweden zur Reife gekommen.Er wollte von da nach Danzig, um die Kaufmannschaft zu erlernen und einige reicheKaufleute für Unterstützung seines Plans zu gewinnen; dann ein Zahr Landwirthschaftund Technologie, zwei Jahre lang Physik, Mathematik und Alterthümer studiren; end-lich in Hamburg sogar die Steuermannskiinst erlernen und von da zunächst nach Smyrnagehen. Die Ereignisse des siebenjährigen Krieges hinderten ihn jedoch nach Danzig zureisen. Er begab sich also nach Lübeck (1758), wo er den Erwerb als Hauslehrer undals Herausgeber derSchwedischen Biographieen" und einerSammlung schwedischerAnekdoten" theils zur Unterstützung seiner von ihm hochverehrten und warm geliebtenMutter verwendete, theils zur Bestreitung der Kosten seiner projectirten Reise zurücklegte.Im Jahre 1759 ging er nach Göttingen und, obgleich selbst schon eine literarische Nota-bilität und durch eigene Leistungen in der gelehrten Welt wohlbekannt, hörte er daselbstVorlesungen über Medicin und Naturwissenschaften, über mosaisches Recht, über Rechts-geschichte bei Pütt er, Lehenrecht, Moral, Naturrecht, Wechselrecht, sodann Politikund Statistik bei Achenwall und Mathematik bei Kästner. Seinen mannigfachenStudien und Vorbereitungen in Göttingen entriß ihn ein Ruf nach St. Petersburg imJahre 1761 auf den Vorschlag des gerade dort anwesenden Büschi ng. Dieser Ruf,der seinem Triebe, aus eigener Anschauung fremde Länder und Völker kennen zu lernen,eine unerwartete Befriedigung versprach, war allzu lockend, als daß er nicht gegen di« Ge-wißheit eines Aufenthalts im nordöstlichen Europa, wo im Bereiche der Wissenschaft nochso manche Entdeckung zu machen, so manches Dunkel aufzuhellen war, unsichere Hoff-nungen einer Reise in den Orient hätte aufgeben oder wenigstens für längere Zeitvertagen sollen. Schlözer wurde bei der Akademie in Petersburg angestellt, fand dannfür einige Zeit Beschäftigung in einem Privatinstitute und erhielt später abermals eineöffentliche Beamtung, vorläufig für sieben Jahre, als Professor der Geschichte. Mitgroßem Eifer und in sehr kurzer Zeit hatte er sich «ine gründliche Kenntniß der russischenSprache erworben und bewährte diese durch die Ausarbeitung der ersten russisch-deutschenGrammatik- deren Druck jedoch, um einiger von ihm gewählten Beispiele willen, vonder Censur verboten wurde. Ein weit größerer sichtlicher Erfolg krönte seine Forschun-gen in dem kaum noch angebauten Gebiete der Statistik und Geschichte, namentlich der