Druckschrift 
Handbuch der deutschen Synonymik : bearbeitet nach dem größeren Werke des Herrn Professor Johann August Eberhard
Entstehung
Seite
246
Einzelbild herunterladen
 

Last 246 !äst

müthsstimmung, durch die Hitzeeiner Leidenschaft u s. f. zu einerunerlaubten, durch Strafgesetzeverbornen Handlung hingerissen»verrcn, ebne eine Fertigkeit undherrschende Neigung zu solchenHandlungen zu haben, d. i. erkann eine Sünde und ein Ver-brechen begehen, ohne laster-haft zu sey».

Laster. Untugend, st. Eineböse Fertigkeit. V. Laster heißtdieselbe, wenn sie theils im hö-her» Grade böle und schädlich ist,tbcils auch einen hoher» G.ad vonMoralität und Zurechnungsfähig-keit hat. Denn Laster bezeich-net in der altern Sprache eine»empfindlichen Schimpf, und deu-tet also auf emcn Fehler, der d egrößte Verachtung versicut. Un-tugend sagt mau 1) wenn dieFertigkeit im geringen Grade böseund schädlich ist; man wird die Ge-schwätzigkeit eine Untugend,aber schwerlich ein Laster nen-nen; r) wenn dic Fertigk.it nurio geringcrm Grade, oder garnickt, zngercchnet werden kann.Mas be» L wachsenen Lasterheißen wurde, nennt man. beyKurd.rn Untugend. Selbstpbvmcke Fehler, die gar nichtsMoralisches enthalten, werdenbisweilen Untugenden genannt,z. B, das Stottern. Daher wirddieser Ausdruck auch oon Tbicrengebraucht. Man sagt: das Pferdhat die Untugend, daß es all-st oßt.

Lästern, verleumden. An-schwärzen. si. Etwas Un-wahres gegen Jemandes Ehrereden. V Verleumden kömmther von I-ium, Schall, wovon

noch zu Luthers Zeiten' Leu-mund vorhanden war, welchesden Ruf. überhaupt, den gutenso wohl als bösen, bedeutete.Verleumden heißt daher: umden guten Ruf bringen, und be-zeichnet also einen geringen! Gradder Ekrenschaubung, als Lä-stern. Denn dieses kömmt vonLaster her, und deutet also aufden höchsten Grad der Schande.(S. d. 0. Art.) Man verleum-det jemanden schon, wenn manihm auch mir geringe Fehler fälsch-lich nachsagt; man lästert ihn,wen» man ihm grobe Vergebun-gen falichlich Schuld givk. Daaber daS, was der Ehre des Emenweniger »achthcilig ist, di: Ehredes Andern, der eure höhere, voll,ksmmncre Person ist, im hoben,Grade verletzen kann; so kam,auch eine Verleumdung da-durch zu einer Lästerung wer-den, daß sie eine höhere Perlenbetrifft. Wen» jemand vorz d.mhöchtlen Weien auch nur das ge-ringste Vöfe sagt, so ist das schoneine Gotteslästerung. Aus-serdem hangt die Größe einer Eb<rciischändung auch von der Vor-sätzlichkeit ab. Das Lästern ge-schieht immer vorsätzlich, in derAbsicht, jemandem seine Ehre zunehmen. Verleumdung kannauch eine unvorsatzlichc Beleidi-gung seyn. Wenn man einemUnschuldigen etwas Böses nach-sagt, das man von Andern ge-hört Kat, an deren Wahrhaf-tigkeit zu zweifeln kein' Grundvorhanden ist; so verleumdetman ihn, aber man lästert ihnnicht. Anschwarzen grenztvon der eine» Seite an Lastern,wcil