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Zweyte olynthlsche Rede.
Ganz anders, ihr Männer Athens, fühle ich mich ge-stimmt , wenn ich einen Blick auf unsere Lage werfe, undwenn ich die Reden meiner Vorgänger erwäge; denn in denReden wird Philippos Bestrafung gefordert; unsere Lage abererinnert uns, alle Vorsicht aufzubielhen, um uns nicht selbsteinem Unglücke auszusctzen. Daher scheinen mir jene trefflichenRedner nur in dem einzigen Puncte zu fehlen, daß sie euchganz und gar nicht den wahren Gegenstand der Berathschla-gung vor Augen stellen. Auch ich weiß, daß vormahls dieStadt ihr Eigenthum in Sicherheit besaß und sich aii Philip-pos zu rächen vermochte; ja ich weiß dieß um desto genauer,da beydes noch vor Kurzem und zu meiner Zeit Statt fand.Jetzt aber bin ich überzeugt, daß wir zufrieden seyn können,wenn wir für das erste unsere Bundesgenossen retten; ist unsdieses gelungen, so mögen wir uns dann weiter umschauen,wie wir etwa Rache an dem Könige nehmen könnten. Bevorwir aber bey dem Anfänge einen sichern Grund gelegt haben,scheint es mir rhöricht, wegen des Ausganges ein Wort zuverlieren.
Unsere gegenwärtige Lage, ihr Männer Athens, erfor-dert mehr als jemahls die sorgfältigste Berathschlagung. Nunhalte ich es zwar nicht eben für schwer, einen heilsamen undden Umständen angemessenen Rach zu entdecken; aber das,o ihr Bürger Athens, setzt mich in Verlegenheit, wie ich euchmeine Meinung vortragen soll; denn sowohl meine eigene Er-fahrung, als das, was ich von Andern gehört habe, überzeugtmich, daß an den meisten Unfällen nur Mangel an Thätigkeit,nicht euer Mangel an Einsicht, Schuld gewesen ist. Ich wün-sche daher, daß ihr die Freymülhigkeir, mit welcher ich zueuch sprechen werde, ertragen mögt, und nur die Wahrhaftig-keit meiner Worte und die Absicht, euer» Zustand für dieFolge zu verbessern, erwägt, denn ihr seht wohl, wie sehrsich unsere Lage durch die Bemühungen einiger Redner/ euchimmer nach Wunsche zu sprechen, verschlimmert hat.