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2 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
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gar zu durchsichtig! Denn ich merke wohl, es wird vor lauterAbschalungen, wie du es nennst, beynahe nichts von mir übrigbleiben.

Lucian. Sey unbekümmert! Es wird sich nichts abschä-len, um was du dich nicht desto besser befinden wirst. Es sindnur die Täuschungen des Eigendünkels, die dich bisher umwi-ckelten, und die Ursachen deiner meisten Leiden und Freudenwaren.

Dio kl es. Hilf Himmel! Wenn dieß ist, was für einPuppen- und Fratzenspiel von Täuschung und Blendwerk wardas, was ich mein Leben nannte!

Lucian. Merkst du das? Und doch wird es dir nichtan einem Lebensbeschreiber fehlen, der eine gar feine Compositiondaraus zu machen wissen wird.

Diokl es. O das ist häßlich! Meine Vorzüge, meineTugenden, meine Freuden, beynahe alle vielleicht gar alleszusammen lauter Täuschungen!

Lucian. Dafür waren es aber deine Leiden auch.

Diokles. Desto schlimmer! desto schlimmer! Ich fühltemich so stark, so groß, wenn ich sie standhaft, edel wie einWeiser zu tragen glaubte. Wie lächerlich ich dir Vorkom-men muß!

Lucian. Gar nicht! Die Last, die ein Mann kaumauf se i n e n Schultern fühlt, würde ein Kind Niederdrücken.Hierin liegt die Täuschung nicht, Bruder. Aber wenn du deineLeiden so standhaft, so edel, so heldenmüthig zu tragen glaub-test , davon geht nun wohl etwas ab.

Diokles. Ich litt freylich nur was ich nicht ändernkonnte, und ächzte, klagte, schrie, so gut wie ein gemeinerMensch, wenn mich niemand hörte, vor dem ich mich schämte,nur ein gemeiner Mensch zu seyn.

Lucian. Das ist wohl die dickste und häßlichste von allenSchuppen, kein gemeiner Mensch seyn zu wollen, wenn manim Grunde doch nur ein gemeiner Mensch ist. Siehst du, wasfür ein Klumpen wieder von dir fällt?