122
einem Walde, liegt die Abtey. Nicht ohne geheimes Grauenbetritt man diese schauerliche Gegend, in der man zuerst hierund da halbvermoderte Hütten, und allenthalben bettelndeMenschen erblickt. Tiefer in dieser furchtbaren Einöde sind gro-ße, schwarz bemahlte, hölzerne Kreuze ausgestellt, dem ängstli-chen Wanderer verkündend , was er bald zu erwarten habe.Kein Vogel laßt sich in diesen schauerlichen Gefilden hören.Kein mildes Lüftchen weht in diesem, rings von Felsen um-schlossenen , düstern Thale. Da gibt es keinen Bach, keineQuelle. Nur todte Teiche sieht man in der Ferne.
Nichts kann trauriger, nichts für die Einsamkeit, für dieEntmenschung ausgesuchter seyn, als dieser Ort. Aus der einenSeite die öde Natur, auf der andern Ruinen und düstre Fel-senklüfte, steht diese Einsiedeley, wie zu* gänzlichen, ewigenAbgeschiedenheit von der Welt verdammt, in einem Winkeldes schauerlichen Waldes. Lange herrscht hier strenger Winter;denn klagt der Wanderer zuerst über unerträgliche Hitze, soschaudert er bey dem Eintritte in die Wildniß plötzlich vor Kältezusammen. Es scheint, die Natur habe geschworen / daß hierder Wendezirkel von Europa seyn sollte.
Die Abtey, deren Thürme weit über die Gegend emporragen, eine nackte große Kirche und ein Gasthaus ist alles,was man hier erblickt.
Lebensweise und Tagesordnung der Mönchedieses Ordens.
Die gewöhnliche Andacht dieser Mönche dauert im Chorund in der Kirche von Mitternacht bis des andern Tages Mit-tags. Um 2 Uhr des Morgens gehen sie schon zur Frühmesse.Bey ihrem Gesänge strengen sie sich ungemein an. Er ist herz-durchdringend und rührend. Im Begegnen begrüßen sie sichmir dem bekannten: iVlomonto rnori!
Ihr Noviziat dauert zwey Jahre. Die Candidaten muß-ten oft lange warten, bis sie ausgenommen wurden. Indessenbeschäftigt man sie mit mystischer Leetüre. Zum Mitragseffen