Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
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Eade in den Gegensatz hinein, wie eben das in Gleichgültigkeitund Engherzigkeit verdrossen hinschlendernde Wesen der Glaubens-und Liebeleeren*).

Ist nun das Thema in Fülle der Wahrheit ausgesprochen, soist damit zugleich der Hauptgedanke und Hauptinhalt des Ganzen ineiner Kraft und Klarheit hingestellt, die nur in einer Gesangkompo-sition, nur in dem Zusammenwirken von Wort und Ton vondem klar und schnell bestimmenden Wort und der ausfüllenden undauslegenden Musik erlangbar, jeder Instrumentalwirkung anSchnellkraft und Sicherheit der Wirkung durchaus überlegen ist.

Hier knüpfen wir nun die dritte und wie uns scheint wich-tigste Bemerkung an; die wichtigste, weil wir sie nicht ohne Opferau dem, was wür in der Fugenkunst bereits errungen und liebge-wonnen, bethätigen können. Wir gehen dabei von einem allge-meinen Grundsatz aus, der sich schon in mannigfachen Gestaltengezeigt und bewährt hat.

Je inniger das Gemüth von irgend einer Empfindung oder Vor-stellung ergriffen ist, desto fester hält es an derselben, desto ent-schiedner hält es alles Andre als Ueberllüssiges oder Störendes sichfern. Und eben so: je tiefer wir wirken wollen, desto mehr müs-sen wir unsre Wirkungskraft auf Einen Punkt beschränken, damitdas Gemüth des Andern von diesem einen Moment und von garnichts Weiterm berührt und erfüllt werde. Auf diesem einen (nurvon zwei Seiten festgestellten) Grundsätze beruht die Lehre vomFesthalten des Motivs und die Form der Fuge selber.

In der Fuge nun, auch in der am weitesten ausgeführten, ist und bleibt allerdings das Thema Hauptgedanke. Aber es bleibtnicht der einzige Gedanke. Vielmehr tritt ihm, je weiter die Fugesich ausdehnt, immer mehr und mehr Anderes als Gegensatz undZwischensatz gegenüber, es treten Engführungen, Verkehrungen,Orgelpunkt u. s. w. auf, die zum Theil das Thema selber in sichbegreifen, aber doch zum andern Theil auch Fremdes oder neueBeziehungen und Verhältnisse des Themas. Dies alles ist erst dervolle Inbegriff der Fuge und Vieles davon oder sogar Alles kannmöglicherweise in einem einzelnen Kunstwerke zur Sache gehören.Gleichwohl wissen wir, dass die geistige Vollkommenheit eines Kunst-werks nicht von seiner materiellen Ausdehnung abhängt, dass derWerLh einer Fuge nicht durch die Zahl ihrer Durchführungen be-dingt wird, dass es nicht erfoderlich, nicht einmal ausführbar ist,in einer einzigen Fuge alle Beziehungen ihres Themas**) zu geben,

*) Aehnliche Vorbilder sind gelegentlich im Th. II gegeben und mehrerein den Werken der Meister, besonders Seb. Bachs, zu finden.

**) Vogler hat in seiner Fugenkunst eine Art von Modell-Fuge gegeben,die Altes enthalten soll und doch nicht enthält; abgesehen davon, dass siean dem Streben nach Allumfassen auseinandergegangen ist.