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Die Sonate ist bekanntlich eine Komposition, die aus mehreru*)selbständigen, aber dann wieder als Tlieile eines grossem Ganzen(eben der Sonate) einheitvoll zusammengehörigen Sätzen bestellt.
Die Sonatine ist ein in gleicher Weise zusammengesetztes**)Werk, nur von leichterm Gehalt und beschränkterer Ausdehnung.
Bei der erstgenannten Form unterscheidet man ferner die eigent-liche Sonate von der grossen Sonate; letztere hat einen be-deutendem, grossartigern Inhalt und in der Re^el mehr Sätze, alsdie eigentliche Sonate. Dass dieser Unterschied, wie auch der vonSonatine und Sonate nicht allzu scharf durchzuführen ist, sieht manvoraus; in der That werden von Komponisten und Lehrern dieBenennungen ziemlich wilikiihrlich durch einander gebraucht, undnamentlich versagt man sich für sein Werk bald den prunkendenNamen einer grossen Sonate, bald sucht man ihn hervor, um etwajenem ein vermeintlich grösser Ansehn zu geben. Uns kannhier wie überall an scharfer Durchfechtung der Formgränzenichts gelegen sein; wir wissen längst, dass scharfe Abgren-zung der Kunstformen dem freien Wesen der Kunst zuwider istund auf jeder Gränze die Formen in einander übergehn. Eine Ab-theilung vollends nach der mindern oder mehrern Grossartigkeit desInhalts ohne absolute äussere Merkmale ist gewiss nicht scharfdurchzuführen, und wenn, jedenfalls ohne allen Vortheil.
Wir haben uns vielmehr auf die Unterscheidung von zwei Rei-hen der Sonatengebilde zu beschränken, die sich mit Bestimmtheitund Erfolg durchsetzen lässt. Es ist die der regelmässigen undder ausnahm weisen Gestalt der Sonate. Die regelmässig ge-bildete Sonate besteht aus drei oder vier verschiednen Sätzen,denen sich bisweilen, als Nebensatz, eine Einleitung in den ersten— oder auch letzten Satz zufügt. Sie ist es, die wir hier zuerstbetrachten.
Wenn die Sonate sich aus drei Sätzen zusammenstellt, sosind dieselben in der Regel schon
durch das Tempo
von einander unterschieden; der mittlere Satz wird in der Regel imlangsamem Tempo (als Adagio, Andante u. s. w.) geschrieben, undbietet gleichsam einen Ruhepunkt, ein Moment zur inuern Samm-lung zwischen den lebhaftem (als Allegro, Presto u. s. w.) erstenund letzten Sätzen.
*) Bei altern Komponisten führt auch oft ein einzelner Satz den NamenSonate, Klang- oder Tonstück.
**) Auch die Sonatine beschränkt sich öfters auf einen einzigen Satz in So-natinenform, so dass dann der obige Unterschied wegfällt.
Marx,. Komp. L. IIF. 3. Aufl.
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