205
Dominante. Zwar zeigt sich im dreizehnten Takle der Qominant-akkord (oder gar nur verminderte Dreiklang) von /)dur; aber ertritt auf dem vierten Viertel, also auf dem leichteslen Takttheil,in einer Umkehrung und zu einer so beweglichen Kantilene auf,dass gar nicht das Gefühl des Schlusses, sondern das Bediirfnissweitern Fortgangs enlsteht. Darauf folgt denn — ein Ilalbscblussim Hauptton (wie in No. 225 bei dem Vordersätze), und zwar mitder Mollharmouie der Tonika, so dass man nicht einmal an einensogenannten Kirchenschluss in D (Th. I, S. 319) denken kann. Dieganze Formel von Takt 3 bis zu Ende ist nichts, als ein befestig-ter Halbschluss im Haupllone.
Der Vordersatz hätte zu einem Hauptsatze für ein Rondo be-nutzt werden können; jetzt, wo die Flüchtigkeit der Gestaltung zuder Leichtigkeit des Inhalts kommt, ist nicht mehr an die Stabili-tät eines Rondo, sondern nur an gleich leichten Fortschritt undsomit an den fortdrängenden Gang der Sonatenform zu denken.
Allein — ist denn der Inhalt unsers Satzes ein drängender?Dazu haben wir ihn wohl schon zu leicht befunden; er fodertleichtere Behandlung, — wie im Bisherigen, so im Weitern.
Dies zeigt sich zunächst in der Weise, wie der Seitensalz andem Hauptsatz anschliesst; eine Weise, die der Sonatinenformeigen und ihr auffallendster Unterschied von der Sonateuform ist.Wir zeigen ihn gleich praktisch am vorliegenden Falle.
Der Schluss in No. 226 ist unstreitig ein blosser Halbschlussund die Tonart unverändert Gdur. Allein der letzte Akkord, —also der Schlussakkord, — ist der Dreiklang auf der Dominante,auf d. Nach einer längst uns geläufigen Vorstellung (Th. I, S. 79)erinnert dieser Dreiklang an die Tonart seines Grundtons, anD dur; ja, in der Modulationslehre haben wir schon (Th.I, S. 238)erkannt, dass ein nach einem Schlüsse frisch eintretender Dreiklanguns in die von ihm angedeulete Tonart versetzen kann , — mittelseines Modulationssprunges. Ein solcher linde hier statt.
Wir sind zwar noch in Gdur, der Schlussakkord ist nurder Dominantdreiklang von G, aber er erinnert an die Tonartder Dominante, Hdur, und so bestimmen wir:
er soll der tonische Dreiklang dieser neuen Tonart sein.
Dies ist unstreitig die leichteste oder flüchtigste Weise, in dieneue Tonart und zum Seitensatze gelangt zu sein; es ist die Mo-dulationsweise der Sonatine.
Wir fahren also, mit Wiederholung des letzten Taktes ausNo. 226, so fort: —