586
Die Modifikationen des Schönen.
Und damit ist zugleich das Zweite gegeben: Das Komischeentbehrt an sich betrachtet des ästhetischen Inhaltes, des persön-lich Wertvollen, der Lebensbetätigung, die wir mitfühlend erlebenkönnen.
Dies hindert nun doch nicht, dafs das Komische, ebensowie das Leiden, ein mögliches Mittel zur Gewinnung eines ästhe-tischen Wertgefühles ist. Es ist dazu, wie das Leiden, ebendarum befähigt, weil es Negation ist. Wir wissen, das mensch-lich Wertvolle wird eindringlicher, erscheint bedeutsamer, eswird in intensiverer Weise genossen, wenn es verneint erscheint.
Dies nun gilt auch, wenn die Verneinung eine komischeist, wenn der Träger des Wertes komisch vernichtet wird. DieVerneinung durch das Leiden, der schmerzlich empfundeneEingriff in das Dasein des Menschen, ergibt die Tragik. Eben-so ergibt die Verneinung durch das Komische, der belustigendeEingriff in das Dasein des Menschen, den Humor. Die Komikgewinnt ästhetische Bedeutung, indem sie im Humor das Mo-ment des positiven Wertes in sich aufnimmt.
Das naiv Komische und der Humor.
Der Übergang von der Komik zum Humor vollzieht sicham unmittelbarsten bei derjenigen Art der Komik, die wir alsdas naiv Komische bezeichneten. Vielmehr, hier ist der Über-gang schon geschehen. Das echte naiv Komische ist komischund erhaben zugleich. Ich sehe in der Naivität des Kindes daskindliche Wesen; darin liegt Erhabenheit. Freilich die Erhaben-heit zergeht, nämlich angesichts meines Standpunktes, odernegativ ausgedrückt: wenn ich die Naivität aus dem Zusammen-hang mit dem kindlichen Wesen herausnehme. Aber sie gehörtnun doch einmal da hinein. Die Verblüffung oder Stauung, vonder oben die Rede war, wendet meinen Blick zurück. Je mehrdie Naivität meinen Vorstellungen von Verständigkeit, Zweck-mäfsigkeit, Geschicklichkeit, Überlegtheit widerspricht, destozwingender wird mein Blick zurückgelenkt auf das kindlicheWesen, in dem, oder als dessen natürliche Äußerung die Naivi-tät mir in jenem ganz anderen Lichte, nämlich im Lichte eines