EINLEITUNG.
ie Ästhetik ist die Wissenschaft vom Schönen; implicite
auch vom Häfslichen. „Schön“ heifst ein Objekt darum,weil es ein eigentümliches Gefühl in mir weckt oder zu weckengeeignet ist, nämlich dasjenige, das wir als l „Schönheitsgefühl“''zu bezeichnen pflegen, ln jedem Falle ist „Schönheit“ der Namefür die Fähigkeit eines Objektes, in mir eine bestimmteWirkung hervorzubringen.
Diese Wirkung nun ist, wie auch immer sie näher sichbestimmen mag, als Wirkung in mir, eine psychologischeTatsache. Die Ästhetik will die Natur dieser Wirkung fest-stellen, will dieselbe analysieren, beschreiben, abgrenzen. Undsie will sie verständlich machen. Zu letzterem Zwecke mufssie die Faktoren angeben, die in mir zu solcher Wirkung sichvereinigen; sie mufs insbesondere die Bedingungen aufzeigen,die bei einem Objekte erfüllt sein müssen, wenn es dieseWirkung hervorzubringen fähig sein soll; und sie mufs dieGesetzmäfsigkeit auffinden, nach welcher diese Bedingungenwirken. Diese Aufgabe ist eine psychologische. Die Ästhetikist also eine psychologische Disziplin.
Zugleich ist doch der Blick des Ästhetikers notwendigüberall gerichtet auf die in Natur und Kunst gegebenen schönenObjekte. Nicht irgend etwas, sondern diese Objekte sucht erästhetisch verständlich zu machen. Auf sie wendet er psycho-logische Einsichten an. Insofern kann die Ästhetik bezeichnetwerden als eine Disziplin der angewandten Psychologie.
L i pps, Ästhetik. 1