ERSTER ABSCHNITT.
Die allgemeinen ästhetischen Formprinzipien.
Erstes Kapitel: Allgemeines über Lustgefühle.
Vorbemerkung.
'l'^vie Ästhetik, so sagte ich schon, ist die Lehre vom Schönen;i - *—' implicite auch von seinem Gegenteil, dem Härslichen.
Hier nun droht schon der Streit. Die Ästhetik, sagt man, seidie Lehre vom ästhetisch Wertvollen. Und es sei zweifel-haft, ob ein Gegenstand nicht ästhetisch wertvoll sein könne,ohne schön zu sein. Diesem Streit entziehe ich mich, indemich erkläre: Im Zusammenhang der Ästhetik hebst „schön“eben „ästhetisch wertvoll“. Für mich wenigstens verhält es sichso. Es ist also dasselbe, ob ich sage, die Ästhetik sei die Lehrevom Schönen, oder, sie sei die Lehre vom ästhetisch Wertvollen.
Vom „ästhetisch Wertvollen“ nun wissen wir von vornherein Eines: Es ist, wie alles Wertvolle, lustvoll. Dies liegt imSinn des Wortes „Wertvoll“. Etwas ist wertvoll, dies heifst:Es ist geeignet, in bestimmter Art zu erfreuen, Befriedigung zuerzeugen, kurz Lust zu erwecken. Das Wort „Wertvoll“ wäreein leeres Wort ohne diese Beziehung auf die Freude, dieBefriedigung, die Lust eines fühlenden Wesens.
Damit ist doch nicht gesagt, dafs „Wertvoll“ und „Lustvoll“begrifflich sich decken. Es könnte sein, dafs alles Wertvollenotwendig lustvoll wäre, und doch „Wertvoll“ durchaus nicht das-selbe bedeutete wie „Lustvoll“; dafs insbesondere die Gröfse