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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
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Die Modifikationen des Schönen.

So versöhnt alles Leiden mit dem Leidenden, es versöhnt,d. h. das Gute an ihm wird uns eindringlicher; es wächstunsere Wertschätzung.

Wir nennen dieses Gefühl der Wertschätzung auch wohlMitleid. Damit ist zugleich gesagt: Mitleid ist nicht einfachMitleiden, sondern es ist zugleich Wertschätzung. Wir könnendenjenigen bemitleiden, der ohne das Mitleid nicht Gegenstandder Wertschätzung wäre. Aber, indem wir Mitleid fühlen, übenwir Wertschätzung. Zugleich ist in dem Gefühl des Mitleidsetwas von Leiden, d. h. von Unlust.

Die Tragik und das Gesetz der „Stauung“.

Damit nun sind wir angelangt beim Gefühl der Tragik.Als ein wesentliches Moment desselben oder als das wesent-liche Moment ist immer wiederum das Mitleid bezeichnetworden. Vielleicht ist dieser Name nicht durchaus geeignet.In jedem Falle ist das Wort „Mitleid“ nicht völlig eindeutig.Man kann es auch so nehmen, dafs das Gefühl der Tragikherabgewürdigt wird, wenn man es mit dem Mitleid identifiziert.Aber der Name tut nichts zur Sache.

Wie aber es damit bestellt sein mag, gewifs gehört zurTragik das Leiden; und der eigentümlich tragische Genufs istan das Leiden gebunden.

Wie nun aber kann er daran gebunden sein? Darüber gebenzunächst die oben bezeichneten Fälle Aufschlufs. Das Leiden,allgemeiner gesagt, der Eingriff in den Bestand eines Wertvollen,erhöht das Gefühl seines Wertes. Zugleich gibt er diesemGefühl einen eigentümlichen Charakter, einen ernsten Bei-geschmack.

Dafs aber das Leiden das Wertgefühl erhöht, dies geschiehtnach einem allgemeinen Gesetze. Ich bezeichne dasselbe sonst1 wohl als das Gesetz der „psychischen Stauung“: Ist ein psychi-sches Geschehen, ein Vorstellungszusammenhang etwa, in sei-nem natürlichem Ablaufe gehemmt, gestört, unterbrochen, sostaut sich die psychische Bewegung, d. h. sie bleibt stehen,