Fünftes Kapitel: Ästhetische Mischgefühle.
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zu sein gewohnt sind. Und wir meinen mehr zu sein undfühlen uns wie herabgezogen. Und wir können ja zweifellosdurch den Kultus des Rührenden herabgezogen, verweichlichtgeschwächt werden.
Die Rührung kann aber wiederum einen verschiedenenCharakter haben. Vielleicht liegt darin auch etwas von Sehn-sucht, nämlich von Sehnsucht, auch so einfach, harmlos, kind-lich vertrauend und hingebend zu sein, ebenso herzlich sichfreuen zu können.
In diesen Fällen scheint das oben bezeichnete Moment derRührung aufgehoben. Wie können wir uns bedrückt fühlenangesichts des Rührenden, wenn es doch der Gegenstand unsererSehnsucht ist? In Wahrheit liegt hier kein Widerspruch vor.Beides stammt letzten Endes aus der gleichen Quelle. Wirkönnen nicht Sehnsucht verspüren, das zu sein, was wir sind.Wir sind also anders. Es ist in uns etwas, das der vollenHingabe an das einfach Kindliche, Vertrauende, der Freude amEinfachen widerspricht. Dies aber ist eben die in unsererNatur liegende Forderung des Kampfes, des Widerspruchs,oder Widerstreits, der Negation, gegen die wir angehen, undin der wir kraftvoll uns anspannen können.
Gefühle der Sehnsucht und Wehmut.
Hier ist nun wiederum die Sehnsucht erwähnt, die uns imübrigen bereits als mögliches Element des Erhabenen begegnete.Dieselbe ist ein ausgesprochenes Mischgefühl oder kann es sein.Es gibt eine verzehrende Sehnsucht, ein heftiges Streben nachdem, was man nicht besitzt, ein starkes Gefühl des Mangels.Dieses Gefühl der Sehnsucht ist ausgesprochenes Unlustgefühl.Aber es gibt auch eine Sehnsucht, die sich hineinlebt in denGedanken an das Ersehnte und dasselbe gedanklich voraus-nimmt, vielleicht darin schwelgt. Zugleich bleibt es doch einErsehntes, und daraus ergibt sich hier ein eigentümliches,unlustvolles Glücksgefühl.
In diesem Zusammenhang kommt nun aber die Sehnsuchtnicht in Betracht als unsere eigene Sehnsucht nach einem