Fünftes Kapitel: Ästhetische Mischgefühle.
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Schmelzung von Tönen zu Klängen. ,Wie die „Tonverschmelzung“sagt, dals mehrere Tonempfindungen zur Erzeugung eines ein-zigen neuen Empfindungsinhaltes Zusammenwirken, so besagtdiese Gefühlsverschmelzung, dafs die Bedingungen eines Ge-fühles und eines gegenteiligen Gefühls Zusammenwirken zueinem einzigen neuen Gefühl.
Indessen hier ist wiederum ein Unterschied zu machen. DieVerschmelzung kann eine totale und sie kann eine partialesein. Es ist ein Beispiel einer totalen Verschmelzung, wenndie Gründe für die Bejahung und für die Verneinung einesUrteils sich vereinigen zur Erzeugung des Gefühles der logischenIndifferenz, d. h. der Möglichkeit, dafs das Urteil gelte und auchnicht gelte; oder wenn Motive für das Wollen und Nichtwollenderselben Handlung sich vereinigen zum Gefühl der Indifferenzdes Wollens, des neutralen Schwebens zwischen Wollen undNichtwollen.
In diesen Beispielen der totalen Gefühlsverschmelzung ver-schwinden die verschmelzenden Gefühle zu Gunsten einesmittleren.
In anderen Fällen ist das resultierende Gefühl eine Modi-fikation des einen der beiden Gefühle durch das andere, odergenauer gesagt, durch die Bedingungen des anderen.
Ein Beispiel hierfür ist das Gefühl der Wahrscheinlich-keit; oder das der Unwahrscheinlichkeit. Jenes ist ein Gefühlder Bejahung, dies ein Gefühl der Verneinung; aber in jenemist die Bejahung durch Gründe der Verneinung, in diesem dieVerneinung durch Gründe der Bejahung zur blofsen Wahrschein-lichkeit herabgedrückt.
Verwebungs- oder Mischgefühle.
Von diesen Verschmelzungsgefühlen nun, bei weichen dieVerschmelzung eine totale ist, sind verschieden die Lust-Unlust-gefühle, die sich ergeben, indem Bedingungen der Unlust in dieBedingungen der Lust eingehen. Auch hier entsteht ein neuesGefühl; aber ein solches, in welchem die verschmolzenen Ge-fühle zugleich nebeneinander weiterbestehen.