Drittes Kapitel: Das Erhabene.
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Welches Gegenständliche auch immer ich gewinnen und genießenmag, niemals erscheine ich mir darum, weil ich es gewinneund geniefse, grofs. Ich kann mich so fühlen, nur wenn ichmich darin zugleich tätig fühle, wenn in solchem Gefühl zu-gleich ein Gefühl des Tuns oder des Vermögens zu einemsolchen, kurz einer eigenen Kraft eingeschlossen liegt.
Vielleicht fühlt der Reiche, also derjenige, der viel hatund geniefsen kann, in seinem Reichtum sich grofs. Aberauch dieses Gefühl der Gröfse ist ein Gefühl des Tuns. Werstolz ist auf seinen Reichtum, ist stolz auf seine Macht, aufdas, was er mit dem Reichtum tun kann, und was er jetzt inseinen Gedanken tatsächlich damit tut; er ist stolz auf denReichtum, weil darin für ihn der Gedanke einer möglichen Ak-tivität liegt; er fühlt sich grofs, weil er diesen Reichtum „hat“,d. h. beherrscht; er fühlt sich so als derjenige, der durch denReichtum die Kraft zum Herrschen gewinnt. Dabei unterliegter freilich einem Irrtum; er vollzieht eine trügerische Wert- ,Verschiebung, ln Wahrheit ist ja die Kraft nicht seine Kraft, 'sondern die des Reichtums; aber diese rechnet er sich zu.
So gibt überall das Wollen und Tun, und das Vermögendazu, die „Kraft“, und nur diese, ein Gefühl der eigenen Gröfse.
Ich sagte ehemals, alles positive Selbstgefühl sei letztenEndes Gefühl der Aktivität, oder des Vermögens dazu, undjedes Selbstwertgefühl sei solches positives Selbstgefühl. Dannist das Gefühl der beglückenden eigenen Gröfse Gefühl dergesteigerten Aktivität, oder des Vermögens dazu. Stattdessen nun kann ich auch sagen: Es ist Gefühl der Lust ausder Kraft und Gröfse meines Wollens und Tuns.
Ist es aber so, d. h. kann ich mich nur grofs fühlenin der Kraft und Gröfse meines Wollens und Tuns, so kannauch ein Objekt ästhetisch grofs oder erhaben erscheinen, nichtsofern ich ein ungehemmtes Sichausleben, ein Gelingen, Er-reichen, Gewinnen, Sichbefriedigen, sondern nur sofern ich eine'Kraft des Wollens und Tuns in dasselbe einfühle.
Damit nun ist, wie man sieht, das Erhabene zu dem Nicht-erhabenen, aber doch vielleicht eindrucksvoll Schönen in deut-lichen Gegensatz gestellt. Das Gebiet des Erhabenen ist das
Lipps, Ästhetik. 34