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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
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Zweites Kapitel: Fortsetzung. Weitere Qualitäten des Lustgefühls. 517

vollen Klänge. Hier nun hat das Gefühl seinen Grunddarin, dafs in der Tat die Klänge mehr Fülle haben. Dievollen Klänge sind nicht einfache Töne, wie diedünnenStimmgabeltöne, sondern es sind in ihnen starke Obertöne miteinem Grundton verschmolzen. Dies nun läfst uns schliefsen,dafs auch der Vorgang der Empfindung eines tiefen Tones tat-sächlich eine größere Massenhaftigkeit in sich schliefst. Wirmüssen sagen: So gewifs in jenem Falle, d. h. bei den vollenKlängen, eine wirkliche Masse, nämlich eine Masse des psy-chischen Geschehens, dem Gefühl des Vollen oder Massen-haften zu Grunde liegt, so gewifs wird auch bei den tiefenTönen dem Gefühl der Voluminosität eine tatsächliche Volumi-nosität zu Grunde liegen.

Wie dies nun aber näher zu denken sei, ergibt sich ausdem oben Gesagten. Nicht nur die Langsamkeit der Folge derphysikalischen Schwingungen, durch welche tiefe Töne aus-gezeichnet sind, sondern auch die Breite der Wellen müssenwir in dem entsprechenden Empfindungsvorgang irgendwiewiederkehrend denken.

Zweites Kapitel: Fortsetzung. Weitere Qualitäten desLustgefühls.

Gefühl der Einfachheit und Differenziertheit.

Ich nahm oben an, dafs in dem vollen Klang starke Ober-töne zu den Grundtönen hinzutreten. Dabei sind wiederumverschiedene Möglichkeiten. Einmal: Die Obertöne sind tief,also zum Grundton nächst verwandt, und sie sind wenige; essind etwa in einem Klang nur die einander verwandtesten Teil-töne, diese aber relativ stark gegeben. Dann haben wir an-gesichts dieses Klanges nicht nur ein Gefühl der Masse oderFülle, sondern auch ein Gefühl der Einfachheit und des einfachKonsonanten.