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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
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513
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Erstes Kapitel: Qualitäten des Lustgefühls. 513

Und hier kann man nun nicht etwa sagen, dies liege daran,dafs ich mich bei der Wahrnehmung der Klänge erinnere,wie es mit ihnen bestellt zu sein pflege, wenn sie in bestimmterRaschheit sich folgen, d. h. wie rasch oder wie langsam sie sichfolgen können, ohne ineinanderüberzufliefsen; Raschheit derFolge von Tönen und Gefahr des Ineinanderfliefsens bei zugrofser Raschheit ist eine Sache, die mit dem Charakter derLangsamkeit und Raschheit, der Ruhe und relativen Unruhein den Tönen selbst ganz und gar nichts zu tun hat.

Und gesetzt auch, diese Töne erschienen uns in sich selbstlangsamer, weil es aus dem bezeichneten Grunde wünschens-wert erscheint oder üblich ist, dafs sie langsam sich folgen, sowürde doch in keinem Falle dieser Charakter sich übertragenauf die Fälle, in denen Töne für sich gegeben sind, also dieunmittelbare Erfahrung zu solcher sonderbaren Übertragungkeinerlei Anlafs gibt. Ich hätte viel eher Grund, jetzt, wo dieGefahr des Ineinanderfliefsens ausgeschlossen ist, mir derNichtexistenz derselben besonders deutlich bewufst zu werden.

Psychologischer Grund dieses Gefühls

ln Wahrheit habe ich, wie gesagt, den tiefen Tönen gegen-über ein eigentümliches Gefühl der Ruhe oder Langsamkeit.Dies heifst: Ich habe ihnen gegenüber ein Gefühl, das ich, inErmangelung eines eigenen Namens, als Gefühl der Ruhe oderLangsamkeit bezeichne, weil ich ein Gefühl von gleicher Art insolchen Fällen zu gewinnen pflege, wo Ruhe oder Langsamkeitin der Bewegung eines sichtbaren Objektes oder in der quali-tativen Veränderung eines Gegenstandes von mir unmittelbarkonstatiert werden kann.

In solchen Fällen nun liegt dem Gefühl der Ruhe oder Lang-samkeit die tatsächliche Ruhe oder Langsamkeit zu Grunde.Dies läfst vermuten, dafs es sich bei dem gleichartigen Gefühl,das ich angesichts der tiefen Töne habe, ebenso verhalte.

ln der Tat müssen wir dies annehmen, obgleich die Be-wußtseinsinhalte, tiefe Töne genannt, nichts von Ruhe oderLangsamkeit in sich tragen. Aber die Bewufstseinsinhalte als

Lipps, Ästhetik. 33