Sechstes Kapitel : Fortsetzung. Die Gegenstandsseite d. sprachl. Darstell. 503
Stätt dessen können wir auch sagen: der Träger der un-mittelbaren Darstellung, also' auch das „verlautbarende“ Wort, istObjekt der „Einfühlung“. Das berichtende Wort dagegen ist,sofern nämlich es lediglich berichtet, nicht Objekt der Ein-fühlung.
Einfühlung in der objektiv berichtenden Kunst.
Darum findet doch auch in der mittelbaren Darstellungoder der objektiv berichtenden Kunst eine Einfühlung statt;nicht in die Worte, aber in die dargestellte Sache. An dieStelle der Einfühlung in die Worte tritt die Einfühlung in das-jenige, von dem berichtet wird. Ich fühle mich ein in dieLandschaft, die beschrieben, die Worte, Handlungen und Erleb-nisse der Menschen, von denen erzählt wird.
So ist es, sofern das Wort objektiv berichtet und nurobjektiv berichtet. Aber ein rein objektiver Bericht ist einDing der Unmöglichkeit. Auch der objektivste Bericht, der inWorten geschieht, geschieht eben — in Worten. Und Wortehaben immer zugleich verlautbarende Kraft. In den berichten-den Worten, sagte ich, liege für mich unmittelbar die Vor-stellung dessen, wovon berichtet wird. Damit zugleich aberliegt darin nach früher Gesagtem mehr, nämlich die Eigenartdes Erfassens des Gegenstandes der Vorstellung, das geistigeOperieren, und die Anteilnahme. Es liegen darin die formalenElemente des Ausdrucks. Es liegt also darin unvermeidlich,obzwar bald mehr bald minder die Persönlichkeit des Dichters,die in allen diesen Elementen sich verlautbart.
Die Welt der Dichtung ist zunächst die Welt des Dichters.Sie ist eine Welt, in welche dieser selbst sich eingefühlt hat.Und meine Einfühlung in diese Welt geschieht durch denDichter hindurch. Sofern der Dichter nichts ist als das vonmir eingefühlte Ich der Dichtung, kann ich dies auch so aus-drücken: Ich fühle mich ein in die Dichtung, gestalte in mirdas ideelle Ich, zu dessen Gestaltung „die Dichtung“ michnötigt, und betrachte nun als dieses ideelle Ich, also in derbesonderen Beleuchtung oder von dem bestimmten Gesichts-