Druckschrift 
1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
Seite
502
Einzelbild herunterladen
 

5Ö2

Farbe, Ton und Wort.

Diese Sonderstellung der objektiv berichtenden Kunst könnenwir auch noch anders bezeichnen. Alle Künstestellen dar.Aber es gibt zwei Arten derDarstellung durch die Kunst.

Die Darstellung durch Elemente, dieausdrücken, ist un-mittelbare Darstellung. Solcher Art ist nach soeben Gesagtemdie Darstellung in allen Künsten aufser der objektiv berich-tenden.

Dies heilst: In den Werken aller dieser Künste liegt indem sinnlich Gegebenen unmittelbar der ganze ästhetische In-halt. Dabei ist dasGeben ein Wiedergeben oder ein ein-faches Geben; oder es ist bald mehr bald minder das Eine oderdas Andere. Der Plastiker oder Malergibt bis zu gewisserGrenze die Formen des menschlichen Körperswieder; in diesenFormen liegt unmittelbar das darzustellende Leben. Der Bau-künstlergibt Formen, und gibt darin das Leben der Formen.

Solche unmittelbare Darstellung nun ist auch die Darstel-lung in Worten, sofern sie verlautbaren, etwa die lyrische,ebenso die dramatische Darstellung. Der Lyriker gibt den Aus-druck eines Inneren, die natürliche Weise desselben sich zuverlautbaren, sich in Worten auszuströmen, in ebensolchenWorten wieder.

Dagegen ist die Darstellung durch objektiven Bericht, undsie allein, mittelbare Darstellung. Die Epik etwa, die vonGeschehnissen objektiv berichtet, gibt nicht wieder. Sie gibtWorte, aber diese^gehören nicht zu den Geschehnissen als ihrnatürlicher Ausdruck. In den Worten liegen nicht die Ge-schehnisse, sondern die Vorstellungen derselben und dieWeisen der Auffassung, Verknüpfung, Beurteilung.

Der Gegensatz der unmittelbaren und der mittelbaren Dar-stellung, letztere gleichbedeutend mit Darstellung durch ob-jektiven Bericht, ist also dieser: In jener ist der sinnlich ge-gebene Träger derDarstellung unmittelbar Träger des Dar-gestellten oder des ästhetischen Inhaltes, in dieser ist er derTräger der Vorstellung desselben. Der Träger des ästhetischenInhaltes heifstästhetisches Symbol. Ein solches ist also dassinnlich Gegebene in der unmittelbaren Darstellung. Es istkein solches in der mittelbaren Darstellung.