Druckschrift 
1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
Seite
501
Einzelbild herunterladen
 

Sechstes Kapitel: Fortsetzung. Die Gegenstandsseite d. sprachl. Darstell. 501

Kundgabe ist also Mitteilung, die dem unmittelbarenAusdruck der mitgeteilten Sache dient. Sie verhält sich zumBericht, wie der unmittelbare Ausdruck der Sache zum Aus-druck der Vorstellung von der Sache oder des Urteils überdie Sache.

Sofern die Kundgabe unmittelbar Ausdruck ist eines innerenVerhaltens, rückt sie in eine Linie mit demAusdruck derformalenAusdruckselemente, und weiterhin mit demAus-druck der Vortragselemente. Diese drei Arten von symbo-lischen Elementen bezeichnen eine Stufenfolge desAus-drucks. Um unmittelbar deutlich werden zu lassen, dafs essich hier um sprachlichen Ausdruck handelt, nennen wir sieeine Stufenfolge derVerlautbarung. Ichverlautbare etwadas eine Mal meine innere Anteilnahme an einem Ereignis,von dem ich berichte, durch den Tonfall meiner Stimme. Ichverlautbare ein andermal diese selbe Anteilnahme durch dieForm der Darstellung, die Wahl der Worte und Wendungen.Ich verlautbare dieselbe endlich in der vollkommensten Weisedurch dieKundgabe.

Zugleich stehen alle diese Arten derVerlautbarung inAnalogie mit dem Ausdruck des Inneren in der Musik; ebensoin den bildenden Künsten, oder dem Tanz, der Mimik, kurz inallen Künsten überhaupt, ausgenommen die objektiv berich-tenden. Die unmittelbare sprachliche Kundgabe meines gegen-wärtigen Erstaunens etwa steht völlig auf einer Linie mit demmalerischen oder plastischen Ausdruck des gleichen Affektes.Ich kann mit Bezug auf vorhin Gesagtes hinzufügen: JeneKundgabe ist so wenig Ausdruck einesUrteils, als der er-staunte Blick eines Menschen, wie ich ihn etwa auf einemGemälde sehe, Ausdruck eines Urteiles ist.

Der objektive Bericht als mittelbare Darstellung.

Nach dem Gesagten nimmt also die objektiv berichtendeKunst eine Sonderstellung gegenüber allen sonstigen Künstenein. In ihr allein dient das sinnlich Gegebene nicht dem un-mittelbaren Ausdruck einer Sache.