Fünftes Kapitel : Symbolik der Sprache. Akustische und formale Elemente. 489
Aber gehen wir zu dem, was in der Rede oder Dichtungan sich liegt. Die Worte bestehen aus Lauten; aus Vokalen undKonsonanten. Diese haben, auch abgesehen von der Klangfarbeder Stimme, in welcher sie gesprochen werden, ihre Klangfarbe.Diese Klangfarbe hat zunächst bei den musikalischen Klängenihre ästhetische Bedeutung. In jedem musikalischen Klang über-haupt, so sagte ich im vorigen Kapitel, steckt für mich einStreben oder Wollen, eine innere Aktivität, ein sich Auslebenoder Ausströmen, das immer anders und anders geartet ist, jenach der Stärke oder Schwäche, Tiefe oder Höhe der Klänge;je nach ihrem gleichmäfsig fortgehenden Verlauf oder ihremAnschwellen oder Abschwellen; je nach ihrer Dauer; vorallemendlich je nach ihrer Klangfarbe.
Verhält es sich aber so mit den musikalischen Klängen,so mufs es sich analog mit den Sprachklängen verhalten. Hiernun handelt es sich speziell um den verschiedenen Klang-charakter derselben. Wir dürfen allgemein sagen: Jeder Sprach-laut hat vermöge desselben etwas wie eine eigenartige Indi-vidualität. Nicht nur die Vokalklänge, sondern auch die Kon-sonanten.
Die Laute der Sprache sind aber nicht einzelne, sondernsie verbinden sich. Damit erweitert sich die Symbolik derSprachlaute. Es treten auf: der Reim, die Assonanz, die mannig-fachen Weisen der Wiederkehr und des Wechsels von LautenEs besteht zwischen den sich folgenden Lauten Einstimmigkeitoder Gegensatz, die der Einstimmigkeit und dem Gegensatz,der Gleichartigkeit und Fremdheit der musikalischen Klänge,ihrer Wiederkehr und ihrem Wechsel, den Weisen ihres Aus-einandergehens und Zusammengehens, den schroffen undgleitenden Fortgängen von Klang zu Klang innerhalb derMelodie u. dgl., nicht gleich, aber vergleichbar sind. Es ent-stehen Arten der einfacheren oder minder einfachen „Harmonie“oder „Disharmonie“ in der Folge der Laute.
Und darin liegt eine immer anders und anders gearteteLebendigkeit. Keine Verschiedenheit und Art des Wechsels,und keine Gleichheit oder Ähnlichkeit der sich folgendenLaute kann ganz ohne ästhetische Bedeutung bleiben. D. h., in