Fünftes Kapitel: Symbolik der Sprache. Akustische und formale Elemente- 483
im engeren Sinne. Ich greife aber hier nicht zurück zu denAnfängen der Sprache, sondern denke nur an das Verständnisder Sprache, wie wir es gewinnen, die wir in die fertigeSprache hineingeboren werden.
Auch für dies Verständnis ist die notwendige Basis derTrieb der Verlautbarung. Dieser mufs nur hier weiter gefafstwerden; nämlich als ein Trieb, innere Erlebnisse überhaupt zuverlautbaren, und andere Erlebnisse in anderen Lauten kund-zugeben.
Das Kind bringt zunächst spielend allerlei Laute hervor,auch solche, die nicht Affektlaute heifsen können. Es tut diesautomatisch oder „reflektorisch“. Dies heifst zunächst: Esbringt, vermöge eines blinden Impulses, Bewegungen der Sprach-organe hervor. Und aus diesen entstehen Laute.
Indem nun aber diese Laute zu den Bewegungen hinzu-treten, verknüpfen sich beide zu einem einheitlichen Erlebnis.Und nun weckt in der Folge die Wahrnehmung dieser oderähnlicher Laute die Tendenz, die zugehörigen Bewegungen vonneuem zu vollziehen.
Nun hört das Kind Worte. Dies sind andere Laute, alsdiejenigen, die es hervorgebracht hat. Aber sie sind denselbenmehr oder minder ähnlich. Und soweit sie ihnen ähnlich sind,wecken sie die Tendenz zum Vollzug der dem Kind bereits ge-läufigen Lautbewegungen. Soweit sie davon verschieden sind,wirken sie zugleich — nicht der Tendenz zur Lautbewegungüberhaupt, wohl aber der Tendenz zum Vollzug dieser Laut-bewegungen entgegen. D. h., sie wecken eine Tendenz, dieseBewegungen zu modifizieren. Der Bewegungsimpuls wirddurch die Verschiedenheit abgelenkt.
Dies bezeichnen wir als „Probieren“. Das Kind „probiert“es, die gehörten Laute nachzuahmen. Diese Npchahmunggelingt zunächst nicht. Die Modifikation der bereits geläufigenLautbewegungen führt zu irgend welchen neuen Lauten. Aberdie gehörten Laute wirken immer wiederum modifizierend; nichtüberhaupt, aber soweit die Laute noch nicht die gehörten sind.Auf diesem Wege gelangt das Kind schliefslich zur tatsächlichenNachahmung.
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