Fünftes Kapitel: Symbolik der Sprache. Akustische und formale Elemente. 481
regenden Kraft, welche die gehörten Töne und in ihnen liegen-den Arten der seelischen Bewegung haben. Nichts von alledembraucht uns im Einzelnen zum Bewufstsein zu kommen. Indemes nebeneinander anklingt, verdichtet es sich zu einer gemein-samen Stimmung, die unserem Bewufstsein sich ankündigt ineinem Stimmungsgefühl oder dem Gefühl einer bestimmten Artder gesamten inneren Lebensbetätigung.
Auch diese Stimmung ist an die Töne gebunden. Sie istdie Ausstrahlung der Bewegung, die in den Tönen liegt undum jener Verwandtschaft willen zu ihnen gehört. Indem ichdie Töne höre, und in dem Mafse als ich in ihnen bin und inihnen aufgehe, vermag ich die Stimmung, und mich in ihr, unddamit in den Tönen, zu erleben.
Ich finde so in den Tönen Leidenschaft und Stille, Sehn-sucht und Friede, Jubel und Klage, ernstes Wollen und fröhlichesSpiel, Kampf und Versöhnung. Ich finde in ihnen ein ideelleseigenes Ich, das aus den Tönen und ihren Zusammenklängenund Folgen zu mir redet oder in ihnen sich ausspricht. DiesIch ist — ich selbst, nämlich das in die Töne eingefühlte Ich,ein nicht nur vorgestelltes, sondern reales, d. h. tatsächlich er-lebtes Ich, ein Ich, das in dem sukzessive entstehenden undsich aufbauenden Tonganzen eine in sich zum Abschlufs ge-langende innere Geschichte erlebt.
In dieser inneren Geschichte besteht das eigentliche Wesender Musik.
Fünftes Kapitel: Symbolik der Sprache. Akustische undformale Elemente.
Die Affektlaute.
Kein Gebiet des sinnlich Wahrnehmbaren ist einer somannigfachen Einfühlung zugänglich, als die Sprache. Nachdem, was ehemals bemerkt wurde über den Sinn, den das Wort„Symbolik“ in diesem Zusammenhänge haben soll, ist es
Lipps, Ästhetik. 31