480
Farbe, Ton und Wort.
ebenso wie. die apperzeptive Bewegung, die ich vollziehe ange-sichts einer räumlichen Form, oder im Erleben des poetischenRhythmus, als etwas in der Folge der Klänge Liegendes, alseine in ihr selbst sich abspielende Bewegung.
Und diese Bewegung nun ist von mannigfachster Art undRhythmik. Und diese Rhythmik schafft wiederum dieser Be-wegung eine allgemeine psychische Resonanz.
Die fragliche Bewegung ist in sich einstimmiger oder mindereinstimmig, konsonanter oder dissonanter, in Konsonanzen fort-gehend oder von Dissonanzen auf kürzerem oder längerem Wege,vermittelter oder unvermittelter, vollkommener oder minder voll-kommen, zur lösenden Konsonanz hinführend. Zugleich tretenin dieser Bewegung die Töne kraftvoller oder sanfter auf,schwellen an und ab, verbinden sich zu reicheren oder minderreichen Ganzen; sie schreiten fort, rascher oder langsamer, ingröfseren oder geringeren Gegensätzen, in leiseren oderschrofferen Übergängen.
Zu allem dem nun fügt sich die zugehörige psychischeResonanz. Es finden sich ja alle die bezeichneten Momenteoder Weisen des Erlebens auch in unserem sonstigen Leben.Wir kennen etwa die Lösung der Dissonanz in vielfachsterGestalt. Wir erleben dergleichen, wenn die Sonne durch Wolkenbricht, wenn Streit sich schlichtet, wenn wir aus materieller Notbefreit werden, wenn Zweifel sich heben, wenn ein innererKonflikt sich löst.
Und ebenso sind uns die anderen Weisen des innerenGeschehens, die in der Tonbewegung liegen können, in allenSphären unseres Erlebens bekannt.
Es liegen in uns demgemäfs, der Möglichkeit nach, un-endlich viele Erinnerungen, Vorstellungen, Gedanken, in dereneigener Natur es liegt, in gleichartiger Weise in uns abzulaufen,und uns zu erregen, wie es die Töne und wie es das Ganzeder Bewegung in den Tönen tut. Es liegen in uns, so könnenwir sagen, der Möglichkeit nach jederzeit viele den gehörtenTönen verwandte „Töne“, die in uns anzuklingen bereit sind.
Und weil sie dazu bereit sind, so werden sie anklingen,lauter oder leiser, reicher oder minder reich, je nach der er-