Viertes Kapitel: Anfangsgründe der Musikästhetik.
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ungen jene nach diesen hin, streben nach ihnen, als ihremGravitationszentrum, zielen auf sie, als ihren natürlichenSchwerpunkt, oder mit einem früheren Ausdruck, jene ordnensich diesen naturgemäß unter.
Kürzer gesagt: — Treffen Töne zusammen, die sich zu-einander verhalten wie 2" : 3, 5, 7 u. s. w., so besteht eine natür-liche Tendenz der letzteren zu den ersteren hin; es besteht eineTendenz der inneren Bewegung, in den ersteren zur Ruhe zukommen. Jene suchen diese als ihre natürliche Basis, alsihren natürlichen Schwerpunkt, als ihr natürliches Gravitations-zentrum.
Dies ist naturgemäfs umsomehr der Fall, je kleiner dasn ist. n ist aber am Kleinsten, wenn es gleich 0 ist. Und2° ist gleich 1. D. h. die vollkommenste Ruhelage und dasletzte Gravitationszentrum solcher Töne bleibt immerhin derabsolute Grundrhythmus.
Dur- und Molldreiklang.
Hieraus nun verstehen wir zunächst den besonderenCharakter und die besondere Stellung des Dur-Dreiklanges,etwa C E G. G steht zu C im Verhältnis 3:2, E zu C imVerhältnis 5:4. Vor allem G, dann aber auch E, weist dem-nach auf C als seine Basis hin.
Dieser Hinweis wird verstärkt durch den Umstand, dafsE und G zueinander im Verhältnis von 5:6 stehen, also miteinander nicht allzu nah verwandt sind, sondern in relativemWiderstreit zu einander stehen, und keiner in dem andern seinenatürliche Basis hat. Auch hier liegt im Widerstreit unmittelbardie Tendenz des Heraustretens aus demselben, oder die Tendenzseiner Lösung. Dadurch wird der Hinweis der beiden Töneauf den Ton, auf den sie schon ohne dies natürlicherweisehingravitieren, gesteigert. — Aus allem dem ergibt sich diebesondere Einheit und Geschlossenheit des Dur-Dreiklanges,das feste und einheitliche Stehen desselben auf seiner Basis C.
Vergleichen wir damit gleich den Moll-Dreiklang C Es G.Hier weist G auf C, wie vorhin. Aber dasselbe G weist zu-
Lipps, Ästhetik. 30