452
Farbe, Ton und Wort.
also nicht ohne weiteres das Gefühl der Konsonanz bezw.Dissonanz begründen. Das Konsonanz- bezw. Dissonanzgefühlkann aus den Schwingungsverhältnissen nur unter einer Voraus-setzung verständlich werden; nämlich, wenn diese Schwingungen,oder ihre Verhältnisse, auch irgendwie in den psychischen Er-lebnissen, die aus den Schwingungen sich ergeben, mit einemWorte, in den Tonerlebnissen, Vorkommen.
Die rhythmische Verwandtschaft der Schwingungs--folgen und die Tonerlebnisse.
Hier ist nun die erste Frage die, was wir unter den „Ton-erlebnissen“ verstehen oder in diesem Zusammenhang verstehenmüssen. •
Zunächst wird, wer dies Wort hört, zweifellos an dieEmpfindungsinhalte denken, an die akustischen Phänomene,die Tonbilder, kurz die Bewufstseinsinhalte, um deren willen wirzunächst von Tönen sprechen. In diesen aber kommt zweifellosvon jenen Schwingungen und Schwingungsverhältnissen nichts vor.
Indessen dieseTöne werden empfunden. Die Empfindungs-inhalte, die akustischen Phänomene, die Bilder, die wir Tönenennen, kommen zustande, indem ein akustischer Reiz auf dasOhr und weiterhin auf die Seele wirkt, und sie erregt. Undin diese Erregungen oder diese psychischen Vorgänge, die denEmpfindungsinhalten zu Grunde liegen, in die „Tonerlebnisse“in diesem Sinne, mit einem Wort, in die Tonempfindungs-vorgänge, können allerdings und müssen jene physikalischenSchwingungen hinüberklingen.
Ich sage genauer, wie dies gemeint ist. Blicken wir zu-nächst noch einmal auf die Schwingungsverhältnisse. DieFolge von 100 Schwingungen in der Sekunde ergibt einen be-stimmten Ton. Diese Schwingungsfolge nun schliefst einen be-stimmten Rhythmus in sich. Unter diesem „Rhythmus“ ist hiernichts verstanden als die Weise der Aufeinanderfolge vonElementen, die dadurch bestimmt ist, dafs eine bestimmte Zahlvon Elementen, in unserem Falle Schwingungen, in einer be-stimmten Zeit regelmäfsig sich folgen. Den „Rhythmus“ der