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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
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Farbe, Ton und Wort.

was es ist, ein neues Drittes. Dies Neue ist Eines, bleibtaber doch zugleich in jenes Gegensätzliche differenziert.

Oder andere Beispiele. Es erfreut uns in der Musik dieVereinigung der feierlich ruhigen Tonschritte im Bafs mit demleichten und lebhaften Spiel in den oberen Lagen. Es erfreutuns in der grofsen Natur das heitere Spiel der Naturkräfte,das Wachsen und Blühen im Kleinen u. s. w.

So verbindet sich überhaupt und auf allen möglichen Ge-bieten zumguten Klangdas Strenge mit dem Zarten, dasStarke mit demMilden.

Man weifs, worauf diese Worte in SchillersGlockeletzten Endes zielen. Und hierdurch werden wir erinnert andie höchste Bedeutung, welche jenes Gesetz derTotalität, oderder Ergänzung der einheitlichen Persönlichkeit durch das Gegen-sätzliche, für den Menschen gewinnt. Es ist in dem einzelnenMenschen eine Sehnsucht, die einseitige Weise, wie er ln seinemeigenen Tun sich auslebt, zu ergänzen durch das mitfühlendeErleben einer entgegengesetzten Weise des Daseins und derPersönlichkeitsbetätigung. Der Mann, und zwar umsomehr, jemehr er wirklich Mann ist, strebt sich auszuleben im Weibeund umgekehrt. Dies ist nicht eine Aufhebung des Eigenen,sondern eben eine Ergänzung, also die Vereinigung der Gegen-sätze in einer neuen, einheitlichen Weise sich zu fühlen. 1 )

Und hiermit ist nun auch erst der tiefste Grund der Schön-heit schöner Verbindungen von Farben bezeichnet.

Die Farben und die Dinge.

Die Farben wurden hier unabhängig von ihrem Vorkommenan Naturobjekten betrachtet. Sind sie Farben der Dinge, sokonkurriert in ihrer ästhetischen Wirkung mit dem, was dieFarbe an sich wirken würde, das Objekt, dem sie angehört,d. h. der Lebenszusammenhang, in welchen sie hineingehört.

Dabei ist aber wohl der Grad der Zugehörigkeit zu be-

*) Vergl.Die ethischen Grundfragen, Hamburg und Leipzig 1899,S. 205 ff..