Zweites Kapitel: Einfühlung in Farben.
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wirkt auch auf den Körper, schafft ein entsprechendes körper-liches Lebensgefühl, das dann der Stimmung zu einer Art vonkörperlicher Basis dient.
Stimmung und Farbenkontrast.
Wie die Farbe mehr ist als Farbe, so ist auch die Ver-bindung von Farben mehr als Verbindung von Farben.
Insbesondere die wohlgefällige Farbenverbindung ist fürmein Gesamterleben umsomehr, je mehr ich ihr hingegebenbin, oder gar völlig darin „aufgehe“, eine einheitliche Weiseeiner umfassenderen inneren Lebensbetätigung und zugleich eineDifferenzierung derselben. Oder umgekehrt gesagt, sie ist dieVerwirklichung entgegengesetzer allgemeiner Weisen meinerinneren Betätigung, oder allgemeiner Lebensmöglichkeiten, unddoch zugleich die Verwirklichung einer einheitlichen allge-meinen Lebensmöglichkeit. Sie ist ein einheitliches Sichaus-sprechen der Gesamtseele nach qualitativ entgegengesetztenRichtungen.
Hier dürfen wir aber wiederum allgemeiner reden. Wirdürfen sprechen von einem allgemeinen Gesetz der psychischen„Totalität“ oder der sich ergänzenden Gegensätze, von einemBedürfnis der Seele in entgegengesetzten Betätigungsweisen sichals Ganzes oder als Einheit eben dieser Betätigungsweisen aus-zuleben.
Dieses Bedürfnis zeigt sich in mannigfachster Weise. Icherinnere zunächst an ein besonders auffälliges Beispiel, denHumor. Im höchsten Humor liegt gepaart tiefster Ernst, stilleRuhe, höchste Erhabenheit, mit fröhlichem Spiel, heiterem Lachenüber das Kleine und Kleinliche. Dies beides schliefst sich inihm zusammen zu einer einheitlichen Stimmung. In dieserwird nicht etwa das Erhabene komisch oder das Komischeerhaben, sondern Beides bleibt wohl unterschieden. Aber esfindet sich zusammen in der höheren Einheit des vom Nichtigenumspielten Erhabenen, des heiter Ernsten, des rührend Ergreifen-den. Dies ist weder erhaben im Sinne des blofs Erhabenen,noch komisch im Sinne des blofs Komischen, sondern es ist,