Zweites Kapitel: Einfühlung in Farben.
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Dies aber ist die Stimmung. Dieselbe verhält sich zu dergesehenen Farbe, wie überhaupt Stimmungen sich zu dem Sinn-lichen zu verhalten pflegen, in dem ich sie finde. Sie ist etwaszur Farbe fiinzukommendes und doch zugleich mit ihr aufsinnigste Verbundenes, vergleichbar etwa dem Hall, der entsteht,wenn ich in eine Kirche oder in einen Wald hineinrufe. Auchdieser „Hall“ erscheint mir als etwas zu dem ausgestofsenenRuf Hinzukommendes und doch unmittelbar dazu Gehöriges.Es ist ein aus ihm heraus Geborenes und ihn Umschwebendes.
Die Stimmung kommt aber zur Farbe nicht von irgendwoher hinzu, sondern sie ist von mir in die Farbe „eingefühlt“.
Einfühlung der Stimmung.
Wie aber ist nun diese Stimmung, oder diese in die Farbe„eingefühlte“ allgemeine Weise meines inneren Verhaltens ver-ständlich?
Hier ist zunächst eine Interpretation abzuweisen. SolcheStimmungsatmosphäre der Farbe kann nicht etwa begründetsein in Erfahrungsassoziationen. Man erinnert wohl, umdie Wirkung der roten Farbe zu verdeutlichen, daran, dafs Rotdie Farbe des Blutes sei, oder die Farbe der Glut. Das Blutaber sei Träger des Lebens und der Lebenswärme, und dieGlut erwärme. Und so sei es begreiflich, wenn dem Rot einCharakter des Warmen, ja des Heifsen inne wohne.
Indes die Farbe des Blutes ist bläulichrot, und die gröfsteGlut ist weifslich. Es müfste also, wenn solche Nebengedankenden Eindruck der Farbe bestimmten, nicht das eigentliche Rot,sondern das bläuliche Rot, und ein andermal eine Farbe, dieder Farbe der Weifsglut nahe kommt, in höherem Grade denEindruck des Erwärmenden machen. Das bläuliche Rot istaber vielmehr ein „kaltes“ Rot, und die weüsliche Farbe derGlut ist, wenn sie uns sonst begegnet, das Gegenteil einer„glühenden“ Farbe.
In analoger Weise müfste Blau, das dem Blau des heiterenHimmels an heiteren Tagen gleicht, als eine heitere Farbe er-scheinen. DerCharakter des Blauen widerspricht aber dem durchaus.