Zweites Kapitel: Einfühlung in Farben.
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andere Kraft. In immer anderer Weise strebe ich, indem ichmich ihnen zuwende, sie zu erfassen und zu halten, und siezu erschöpfen. Und immer erscheint die Kraft dieses Strebens,weil ich das Streben, also auch die Kraft, als aus der Farbestammend erlebe, als eigenartige Kraft der Farbe.
Was ich hier von der Farbe sage, läfst sich auf andereEmpfindungsinhalte, insbesondere auf Töne und Klänge, ohneweiteres übertragen. Hier aber ist zunächst die Rede von derFarbe.
Farben und Stimmungen.
Von dieser Kraft der Farbe, und der Eigentümlichkeitdieser Kraft, ist nun aber noch verschieden die Stimmung,die in der Farbe liegt. Freilich wird die Kraft, nachdem ein-mal die Stimmung gegeben ist, notwendig auch zur Kraftdieser Stimmung.
Ich nannte schon oben das Gelb heiter, fröhlich, leicht-lebig u. s. w. So hat jede Farbe ihren Stimmungscharakter.Ich verzichte darauf, diese Stimmungscharaktere im Einzelnenzu bezeichnen. Die Wendungen, in denen man sie bezeichnenmag, sind nicht eindeutig. Sie haben für diesen diese, fürjenen jene besondere „Klangfarbe“. „Gefühl ist alles; Nameist Rauch und Schall“.
Zunächst nun leuchtet hier wiederum ein : So gewifs dieFarbe mit allen ihren Qualitäten Inhalt meiner Gesichtsem-pfindung ist, so gewifs ist Heiterkeit, Fröhlichkeit u. s. w.nichts dergleichen. Sondern, was diese Namen besagen, istmir einzig bekannt als eine Gesamtzuständlichkeit meiner Per-sönlichkeit, eine umfassende Weise mich innerlich zu verhaltenoder zu betätigen, kurz als eine „Stimmung“. Stimmungenaber sehe ich nicht, sondern ich erlebe sie in mir.
Vielleicht meint man, die Heiterkeit des Gelb sei lediglichein anderer Name für eine Färbung meines Lustgefühles. DasGelb sei heiter, dies besage lediglich, dafs ich angesichts desGelb ein eigentümlich gefärbtes Gefühl der Freude oder der Be-friedigung habe.