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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
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329
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Viertes Kapitel: Das einfache rhythmische Ganze. 329

Ganzes. Sondern beide müssen sich vereinheitlichen, d. h. siemüssen auch wiederum eine einzige Bewegungseinheit dar-stellen.

Von dieser neuen Bewegungseinheit gilt nun zunächst, wasvon der elementaren gilt: Sie bewegt sich im Gegensätze zweierHaupttöne. Als solche stellen naturgemäfs die Tieftöne derbeiden elementaren Einheiten sich dar. Jede dieser letzterenfarst sich ja, so sahen wir, endgültig in ihrem Tiefton zusammen.Die Tieftöne sind die Hauptpunkte, die obersten Gravitations-zentren der elementaren Bewegungseinheiten. Und dies nun bleibensie auch in der Verbindung der rhythmischen Bewegungseinheitenzum Ganzen. Nur treten sie sich hier gegenüber. Der Tieftonder zweiten Einheit ist die Abschlufsbetonung des Ganzen.Ihr hält im höchsten Marse der Tiefton der ersten Einheit, weilin ihm in vollkommenster Weise die erste Einheit sich zu-sammenschliefst, das Gegengewicht. Der Tiefton der erstenHälfte wird also zum Hochton, der Tiefton der zweiten zumTiefton des Ganzen. Zugleich ist im Ganzen jener diesem inderselben Weise untergeordnet, wie in der elementaren Be-wegungseinheit der Hochton dem Tiefton untergeordnet ist.

Diese neue Einheit ist nun aber keine elementare, sonderneine differenzierte. Dies heifst zunächst: Sie geht in die relativselbständigen elementaren Bewegungseinheiten auseinander.

Zugleich kann sie aber noch in einem anderen Sinnemehr oder minder differenziert sein. Die einheitliche Bewegungschliefst in sich die qualitativ verschiedenen Momente: Anfang,Mitte und Ende; den Ausgangspunkt und das Ausgehen vonihm, den Zielpunkt und das Einmünden in ihn, und die da-zwischen verlaufende Bewegung. Die Bewegung aber ist eininneres Tun.

Und hier erinnern wir uns wiederum des ehemals Betonten:Das innere Tun ist kein wahres Tun ohne Gegensatz oder zuüberwindende Spannung.

Diese Momente nun können in höherem oder geringeremGrade in dem rhythmischen Ganzen heraustreten und selb-ständig ausgestaltet sein. Jenachdem ist das Ganze ein mehroder minder charaktervolles und lebendiges.