Drittes Kapitel: Die Stilisierung.
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„Stilisieren“ heifst — nicht, wie Einige zu meinen scheinen,auf Naturobjekte die Gesetze der geometrischen Regelmäfsigkeitund der Symmetrie „anwenden“. Es heifst nicht, Regelmäfsigkeitund Symmetrie zu den Naturformen hinzufügen, oder ihnen auf-nötigen. Eine solche Verbindung des Heterogenen wäre Verge-waltigung der Natur. Das Beschneiden der Bäume, so dafs sieeine bestimmte geometrische Gestalt, Kugelform, Pyramiden-form u. s. w. gewinnen, das wäre Stilisierung nach dem Herzensolcher Ästhetiker. Aber darin liegt kein künstlerisches Tun,also auch keine Stilisierung, sondern unkünstlerische Barbarei.
Jener Meinung gegenüber müssen wir sagen: Stilisierenist weder ein Hinzutun noch auch ein einfaches Weglassen,sondern es ist ein Herauslösen. Es ist nicht Negation, sondernAnerkennung, nämlich künstlerische Anerkennung; nicht Antuneines Zwanges, sondern Befreiung.
Möglichkeiten der Stilisierung.
Stilisierung im allgemeinsten Sinne ist jede Entfernung von 1der einfachen Wiedergabe des in der Natur Vorgefundenen zueinem künstlerischen Zweck. Sie ist insbesondere Veranschau-lichung des Wesentlichen in den Naturobjekten, im Gegensatzzum Abschreiben derselben mit gleicher Wertschätzung dessen,was an ihnen wesentlich, und dessen, was für ihr Wesen be-deutungslos ist.
Solche Stilisierung kann aber nach verschiedenen Rich-tungen gehen, da je nach Umständen Verschiedenes als dasWesentliche an einem Naturobjekte erscheinen kann. Und siekann die Form und die Farbe der Naturobjekte treffen.
Sehen wir in diesem Zusammenhang ab von der Farbe.Dann gibt es zwei wesentlich verschiedene Richtungen derStilisierung. Die Stilisierung kann bei einem Individuum dashervorheben oder betonen, was für dieses Individuum dasWesentliche, d. h. das Charakteristische, oder was an ihm dasindividuell Bedeutsame ist. Diese Stilisierung wollen wir indi-vidualisierende nennen. Eine besondere Art derselben ist dieKarikatur.