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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
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Raumästhetik.

Demgemäfs erscheint es begreiflich und natürlich, wennsolche Linien weitergehen, und geflissentlich die Freiheit derNaturformen in ihr Spiel mit hineinnehmen. Nicht diese Formenim Ganzen und in ihrer konkreten Bildung, so wie sie in derNatur uns begegnen, werden sie in sich aufnehmen, wohl aberallgemeine Grundzüge der Bewegung in diesen Formen, all-gemeine Gewohnheiten der Bildung, die in ihnen sich verwirk-lichen, ein mehr oder minder abstraktes Formenspiel. Es er-scheint natürlich, wenn in solchen Linien da und dort diezunächst naturfremde Form den Formen der Natur sich nähert,oder in dieselben hinübergleitet, in sie ausläuft, oder an ent-scheidenden Punkten ihre eigene allgemeine Symbolik durch diekonkrete Symbolik der Naturformen differenziert und ins Ein-zelne ausgestaltet. Dadurch wird schliefslich nur das obenbezeichnete Wesen der fraglichen Linien zu vollkommenererAnerkennung gebracht.

Gleichartiges kann nun aber auch den geometrischen Linien,von denen vorher die Rede war, geschehen. Diese sind an sichdurchaus naturfremd. Dennoch sind sie es auch wiederumnicht; die Kräfte, die in ihnen walten, sind ja die allgemeinstenKräfte der Natur. Umgekehrt gibt es in den Naturformennicht nur die allgemeinen Gewohnheiten oder die gattungs-mäßigen Bildungsgesetze, sondern es liegt ihnen auch überalldie allgemeine mechanische Gesetzmäfsigkeit zu Grunde.

Demgemäfs hindert zunächst nichts, dafs aus den Formender Natur jene allgemeinen Formgewohnheiten der Natur,jene gattungsmäfsigen Gesetze der Bewegung und Bildung,herausgenommen, und aus dem Zusammenhang mit den regel-losen Zufälligkeiten herausgelöst werden, dafs also die Bildungs-gesetze einer Gattung von Formen, mit Verzicht auf die Unter-schiede, die der Zufall oder das Spiel der Natur in den einzelnenExemplaren schafft, zur Anschauung gebracht werden.

Und es hindert weiter nichts, dafs aus jenen Formen sukzessiveallgemeine und schliefslich allgemeinste mechanische Gesetz-mäfsigkeiten herausgezogen, und für sich veranschaulicht werden.

Dies ist der Sinn derStilisierung; zum mindesten, wenndas Wort im engeren Sinn genommen wird.