weites Kapitel: Spezielleres zur Ästhetik einfacher Formen. 255
Hauptlinie entstehen jene antagonistischen Kräfte beständig vonneuem. Statt dessen können wir auch sagen: Diese Kräfte er-zeugen sich im Fortgang der Hauptlinie, oder im Fortgang derGesamtbewegung, immer wiederum wechselseitig. Und dazukommt endlich, als vor allem charakteristisches Merkmal derfraglichen Linie, dies, daîs das Gleichgewicht der beiden anta-gonistischen Kräfte von vornherein zu Gunsten der einen der-selben verschoben ist. D. h. die eine der beiden — an sichgleichen — Kräfte wirkt zunächst, und löst demgemäfs, voneiner bestimmten Stelle an, in einer spiralförmig sich ab-zweigenden Linie sich los. Damit aber gewinnt nun die anderedas Übergewicht, und vermag gleichfalls sich loszulösen u. s. w.Natürlich zieht jede der beiden antagonistischen Kräfte, so langesie an die Hauptlinie gebunden bleibt, diese in ihre Bewegungmit hinein. So entsteht die angebliche „Wellenlinie“. Umgekehrtsind die spiraligen Abzweigungen jedesmal in ihrer Form durchalle die Kräfte, die in der Grundlinie wirken, mitbestimmt.
Die „moderne“ Linie.
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Auch diese stetig sich verzweigenden Linien nun sind !immer noch absolut geschlossene Individuen; d. h. es wirken jin ihnen immer noch ein für allemal, also schon beim Beginn ides Verlaufes der Linie, gegebene Kräfte ihrer eigenen Gesetz-mäfsigkeit entsprechend sich aus. o
Es besteht aber schliefslich auch die Möglichkeit derjBildung stetiger oder ungebrochener Linien, in welchen dies-;nicht mehr der Fall ist. Die in ihr wirkenden Kräfte sind nicht'durchaus von Anbeginn gegeben, sondern es kommen Kräfte !und Tätigkeiten in ihrem Verlaufe neu hinzu. Dies doch nichtso, dafs sie in einem Momente fertig und in gewisser Stärke dawären und eingriffen. Daraus würde die gebrochene Linie ent-stehen. Sondern die Kräfte entstehen sukzessive aus demNichts. Und indem sie so entstehen, tritt allmählich ihreWirkung ins Dasein, ln einer solchen Linie gleitet also eineWeise der Bewegung demgemäfs in eine andere, eine Gesetz-mäfsigkeit in eine andere, stetig, also ohne Zwang, über. Ich.